Hans-Peter Raddatz
Orientalist, Volkswirt, Systemtheoretiker.

"Der Dialog mit dem Islam wird umso mehr zur Hilfseinrichtung für den Islam, je unbeirrter der Dialog darin fortfährt, den Kampfcharakter dieser Religion durch die Fiktion von Toleranz und Friedfertigkeit zu verschleiern."

Aufsätze/Artikel
Islam, Demokratie, "Dialog" - das Panoptikum der sekundären Realitäten
Sind wir zu blauäugig? - dialogische Wunschwelt vs. islam. Wirklichkeit
Der Mythos vom toleranten Islam - literarische Fiktionen und polit. Wunschbilder
Islam. Terror und Demokratie - Hintergründe d. islam. "Integration"
Dialog mit Saladin - Lessings Nathan als Toleranz-Ikone
Wer beleidigt Allah? - z.B. Religionssatire
Islam, Frau, Teufel - zu einem westl. Mißverständnis

11. September
Interview | Artikel

------------------

Texte über Ahmadiyya

"Hurra, wir bekommen eine Moschee und wollen gar keine!"

interreligiöser "Dialog"

"Die gesellschaftlich Verantwortlichen fordern die ständige Verinnerlichung von Toleranz, ohne allerdings gleichzeitig mitzuteilen, aufgrund welchen konkreten Interesses die aufnehmende Bevölkerung die islamische Zuwanderung fördern sollte. Es fehlt die Information, womit ein solches Interesse zu begründen wäre und auf welcher Art von Identität die neue Toleranz aufzubauen hätte."

aus: Hans-Peter Raddatz: "Von Gott zu Allah?", S. 19

 

"Europa ist dabei, sich völlig mißbrauchen zu lassen im Namen der Toleranz und des Dialoges. Man erlebt eine langsame Infiltrierung der Strukturen ... Ich bin ebenso für eine Öffnung zum Fremden wie ich die Integration von Strömungen zurückweise, die die Demokratie ins Wanken bringen und universelle Werte in Frage stellen, um ein regressives und obskurantistisches Weltbild durchzusetzen, das vierzehn Jahrhunderte hinter der Zeit ist".

Henri Boulad, in Ägypten geborener und aufgewachsener Jesuitenpater in einem Gespräch mit der Schweizer Zeitung Le Courrier (3.11.96). Der langjährige Leiter von "Caritas Ägypten" zeigte in dem Gespräch auf, wie sehr die Christen in der arabischen Welt diskriminiert werden und wie der Islam aus Angst vor dem Christentum diesem alle Rechte verweigert, die er für sich in den christlichen Ländern "selbstverständlich" in Anspruch nimmt.

 

------------------
Faktenabwehr und Denkverzicht sind die "ultimativen Waffen der Ignoranz" gegen die Durchsetzungsmacht von Wahrheit und Vernunft.
------------------

 

Die Frauen-Emanzipation ist das existentielle Bedrohungspotential schlechthin für den Islam.
s.a. Der Islam, die Frau und der Teufel

 

------------------
GG Artikel 20:
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
...
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
------------------

Bibel | Grundgesetz | Koran

 

 

 

------------------
Laxe Begrifflichkeit und doppelte Standards sind das geistige Gift, das die Auseinandersetzung mit dem Islam z.Zt. noch in Deutschland zur Farce macht. Für einen zukunftsoffenen Dialog müssen Nachdenklichkeit wie Einsicht auf beiden Seiten wachsen. Toleranz kann keine Einbahnstrasse sein.
------------------

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Islam, die Frau und der Teufel


Anmerkungen zu einem westlichen Mißverständnis

Ein schwieriges Thema für die westliche Fremdorientierung ist die problematische Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft. Diese Schwierigkeit wird noch verstärkt durch die Weigerung, den islamischen Traditionalismus als integralen Aspekt der Religion des Islam zu sehen. Der Traditionalismus bzw. "Fundamentalismus" befindet sich - unterstützt durch enorme Finanzmittel - als wachsender Faktor auf einem offenbar unaufhaltsamen Vormarsch in der gesamten islamischen Welt, wobei der westliche "Dialog" dieses Geschehen als vom "eigentlichen" Islam losgelöstes Phänomen interpretiert.

Daß die Stellung der Frau dabei vom Islam selbst als Gradmesser traditionalistischer Unterdrückung zu betrachten ist (Goodwin, Himmel der Frauen, S. 35), wird in einer derartigen Wahrnehmung nicht zu hinreichender Geltung gelangen. So formierten sich in Europa und insbesondere in Deutschland fragwürdige Konstellationen, in denen die einschlägigen Verfassungsrechte auf Menschenwürde, die freie Wahl des Berufs, Wohnorts, Ehestands etc., von der muslimischen Frau auf deutschem Boden nicht bzw. nicht uneingeschränkt in Anspruch genommen werden können und sie mehrheitlich weiterhin den gleichen Repressionsmechanismen wie in ihrem jeweiligen Heimatland unterliegt. Hier wirkt der interkulturelle Kampf gegen den "Menschenrechtsfundamentalismus", dem keinesfalls gestattet werden kann, in das gesellschaftliche Geschehen der islamischen Minderheiten "kulturverändernd" einzugreifen, ganz zu schweigen von den islamischen Stammländern, deren Souveränität über die Frauenfrage unangetastet bleiben muß.

Unschwer erkennbar handelt es sich hier einmal mehr um die Frage der historisch gewachsenen, islamischen Macht, welche die Frau auf die  Funktion weitgehend uneingeschränkter, biologischer Reproduktion reduziert und mit einem  strukturellen Analphabetismus verknüpft. Aus dieser Verbindung beziehen der Traditionalismus und seine expansiven Kräfte das unverzichtbare Instrument ihrer Unterdrückungsstrategie.

Was ist nun die "traditionelle" Position der Frau im Islam? Wenngleich unsere Themenstellung hier nicht erlaubt, ausführlich auf die breitgefächerte Literatur über dieses fundamentale Thema einzugehen, sollten wir allerdings in angemessener Einschränkung einige Schlaglichter auf diejenigen Aspekte werfen, die für die Machtausübung des Islam unter individueller und kollektiver Instrumentalisierung der Frau wesentlich sind.

Schon ihre grundsätzliche, koranische Einordnung muß angesichts ihrer vorislamisch-beduinischen Position überraschen, die der Frau einen mehrheitlich mutterrechtlichen Vorrang mit zahlreichen, z.T. hymnischen Lobpreisungen in der altarabischen Poesie einräumte (Spuler, Kultur des Islam, 10), sich mit Beginn des Islam indes schlagartig änderte:

"Die Männer sind den Weibern überlegen, wegen dessen, was Allah den einen vor den andern gegeben hat, und weil sie von ihrem Geld (für die Weiber) auslegen. Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam und sorgsam in der Abwesenheit (ihrer Gatten), wie Allah für sie sorgte. Diejenigen aber. für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, warnet sie, verbannet sie in ihre Schlafgemächer und schlagt sie. Und so sie euch gehorchen, so suchet keinen Weg wider sie; siehe Allah ist hoch und groß" (Koran, Sure 4/ Vers 34) .

Das herabwürdigende Gehorsamsdiktat des Verkünders läßt sich als weitere, für den Islam so kennzeichnende Konservierung zeitgenössischer Einflüsse durch die jüdisch-christlichen Gemeinschaften auf der Halbinsel herleiten. Insbesondere die spezifischen Vorstellungen von einer Urschuld der Frau in Verbindung mit einer ihr generell unterstellten Unreinheit haben dem Islam eine zuweilen pathologisch wirkende Frauenfeindlichkeit implantiert, die entgegen anderslautenden Koranaussagen in der Prophetentradition das Paradies zu einer Domäne des Mannes werden ließ und die biologischen Besonderheiten der Frau zu Strafen Allahs ummünzte (Walther, Die Frau im Islam, 100ff.). Spurenelemente dieser Denkweise haben sich bekanntlich auch - entgegen dem Geist des Evangeliums - bis in die Gegenwartsformen der christlichen Kirchen erhalten können.

 

Die Stellung der westlichen Frau konnte natürlich dennoch aus der Dynamik des liberalen Fortschritts ganz entscheidende Vorteile ziehen  und ihre Benachteiligung gegenüber dem Mann deutlich kompensieren, wenngleich keinesfalls völlig ausgleichen. Die Rückorientierung des Islam auf das Modell von Medina und seine Konservierung des als für alle Zeit verbindlich verkündeten Gottesgesetzes haben dagegen die muslimische Frau in eine Form anscheinend unveränderbarer, ewiger  Unterdrückung gepreßt.

Auch und gerade wenn zahlreiche Musliminnen, allen voran westliche Konvertitinnen, ihren Status als durchaus gleichberechtigt bezeichnen und zum Beweis gegenüber uninformierten Andersgläubigen jedoch ihren Propheten und nicht die tägliche Gegenwart anführen, so verdeutlicht dies umso mehr die Ambivalenz der real in der islamischen Praxis gehandhabten Frauenrolle: die immer wieder aufscheinenden Diskrepanzen zwischen Koran einerseits sowie hadith, Geschichte und Wirklichkeit andererseits.

Während sich im Koran auch einige Stellen finden lassen, aus denen eine wohlwollende, zu liebevoller und pfleglicher Behandlung der Frau aufrufende Haltung des Verkünders hervorgeht, entwickelte sich ihre Rechtsposition und faktische Rolle in der Gesellschaft zu einer umfassenden Form multipler Unterprivilegierung. Ihr Verstand und ihr Glaube sind so unvollkommen, daß sie weder der Heilsformel, noch der Teilnahme am Freitagsgebet und der Gemeinschaft der Gläubigen teilhaftig werden kann.

Gegenüber dieser grundlegenden Herabwürdigung nehmen sich die diskriminierenden Bestimmungen des positiven Rechts schon fast wie Vorrechte aus: die Halbwertigkeit ihrer Zeugenaussage und Erbfähigkeit, die Ausschaltung jedes Mitspracherechts bei der Verheiratung, die einseitigen Regelungen hinsichtlich Scheidung, d.h. Verstoßung (talaq), das Verbot der Heirat eines "Schriftbesitzers", die preisliche Prämiierung der jungfräulichen gegenüber der deflorierten Frau und nicht zuletzt die unabdingbare Ausnahmslosigkeit sexueller Verfügungsgewalt des Mannes über die Frau (ebd., 101f.).

Einmal verheiratet, ist die Muslimin in der konservativen Familie auschließlich auf das Haus beschränkt, das sie, vorausgesetzt, der Mann spricht keine Scheidung aus, bis zu ihrem Tode nicht mehr verlassen wird. Sie stellt Bestandteil des Besitzes ihres Mannes dar, der sie über die Morgengabe (mahr) erworben hat. Die Eheschließung kann bekanntlich bis zu viermal ausgeführt werden, solange die finanzielle Lage des Mannes die nachhaltige Versorgung seiner Frauen und potentiellen Kinder gewährleistet, die in Knabengestalt natürlich einen ungleich höheren Stellenwert erlangen. Die Frau hat keinerlei Mitsprache- geschweige denn Einspruchsrecht gegen Mitfrauen und Mätressen, sie kann nur in Ausnahmefällen und nur in Begleitung des Mannes oder männlicher Verwandter reisen bzw. die Pilgerfahrt vollziehen.

Die Mehrehe war und ist Dauerthema der islamischen Gesellschaften, da sie sich historisch aus kriegsbedingtem Männermangel herleitet und seit langem - ähnlich wie die Sklaverei und das Konkubinat obsolet geworden - nach dem Willen der Reformer der Abschaffung anheimfallen soll. Diesem Vorhaben ist indes angesichts der tiefverwurzelten, konservativen Frauenverachtung sowie der finanziellen Bedeutung heiratsfähiger Töchter für die hergebenden Familien bis auf weiteres wenig Aussicht auf Erfolg zu bescheinigen. Darüber hinaus läßt die aus der Einehe resultierende Teilemanzipation einen unerwünschten Anschub der Frauenbildung und -berufstätigkeit erwarten, der nicht
nur dem Trend zur islamischen Radikalisierung, sondern auch der strukturell hohen Arbeitslosigkeit entgegensteht.

So wird es zunächst bei der überkommenen, für die islamische Frau völlig perspektivlosen Lage bleiben, die sie neben ihren biologischen Funktionen als Quelle der Nachkommenschaft und allzeit verfügbares Sexualobjekt zur preiswerten Haushaltskraft degradiert, und dabei durch physische und psychische Überlastung sowie Ernährungs- und Sonnenmangel einem unverhältnismäßig hohen Sterblichkeitsrisiko ausliefert.

Innerhalb dieses Rahmens gestaltet sich die Situation der Frau in den islamischen Ländern in diversen Abstufungen gesellschaftlicher Diskriminierung. Während in Tunesien - am Westrand des Islamgürtels - die Mehrehe offiziell verboten ist und damit eine Gleichbehandlung der Frau zumindest auf dem Papier gewährleistet scheint, befindet sie sich am Ostrand - in Afghanistan, Pakistan und Indien - im Status nahezu vollständiger Rechtlosigkeit.

In einer solchen Situation - wie z.B. in Pakistan – stehen Frauen jederzeit jedem zur beliebigen Vergewaltigung zur Verfügung, ohne daß der Täter ernsthaft zur Verantwortung gezogen wird. Frauen, die Anzeige erstatten, werden in der Regel der Unzucht (zina') angeklagt. Israr Ahmad, Chefideologe Pakistans zur Zeit des später durch Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Präsidenten Zia' al-Haqq, verkündete im Fernsehen, daß niemand wegen Vergewaltigung verurteilt werden könne, solange noch Frauen in der pakistanischen Gesellschaft sichtbar seien. In einem unter dem im Westen als "gemäßigt" geltenden Präsidenten Rafsandjani erstellten Geheimdienstbericht wurden im Jahre 1992 allen Ernstes die iranischen Frauen - und damit etwa 50% der Bevölkerung - zusammen mit der Korruption als oberstes Sicherheitsrisiko des Iran eingestuft (Goodwin, 76, 159).

Vor diesem Hintergrund wirkt die alte Diskussion um die Interpretation des Kopftuchs in Europa und seine Zulassung im öffentlichen Dienst eher verfehlt und erweist sich allenfalls als geeignet, die europäische Öffentlichkeit von der eigentlichen Brisanz der Frauenfrage in den Ländern des Islam abzulenken. Abgesehen davon, daß der Koran ohnehin keinen konkreten Anhalt für eine Verschleierung des Kopfes, geschweige denn des Gesichts liefert, bildet diese mediokre Debatte, in der natürlich auch laufend vom "Dialog mit dem Islam" die Rede ist, nichts weniger als die zynischst mögliche Form, die eigentliche Situation im wahrsten Wortsinne zu "verschleiern". Wie im Falle der laufend verschwiegenen Gewalt gegen die Intellektuellen ist auch und ganz besonders die unkritische Behandlung des Frauenthemas geeignet, im Namen von Freiheit und Toleranz der Gewalt des Islam gegen die Frauen weiterhin tatkräftigen Vorschub zu leisten.

Da die Kopftuchfrage ein wichtiges Anliegen des traditionalistischen Islam zu sein scheint und im Westen äußerst kontrovers diskutiert wird, empfiehlt es sich, sie in den näheren Blick zu nehmen. Ihr Entstehen wird der unmittelbaren Situation des Verkünders zugeschrieben, dessen Frauen von Besuchern unverschämt angestarrt  und bei der Verrichtung der Notdurft außerhalb des Hauses von Ungläubigen belästigt wurden:

"Ihr Gläubigen! Betretet nicht die Häuser des Propheten, ohne daß man euch ... Erlaubnis erteilt, einzutreten ... Und wenn ihr die Gattinnen des Propheten um irgendetwas bittet, das ihr benötigt, dann tut das hinter einem Vorhang! Auf diese Weise bleibt euer und ihr Herz eher rein (33/53). - Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, daß sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden" (33/59).

Zunächst ging es also darum, die Frau in ihrer unmittelbaren Eigenschaft als integre Person im privaten und öffentlichen Bereich vor den in der Zeit des Verkünders offensichtlich üblichen Übergriffen zu schützen. Dieser eher noch passive Schutz wurde bald in eine aktive Einschränkung des autonomen Handlungsbereichs ausgeweitet, die die Frau gesellschaftlich unsichtbar machen sollte:

"Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen (statt jemanden anzustarren) ihre Augen niederschlagen, und sie sollen darauf achten, daß ihre Scham bedeckt ist ... und ihren Schal sich über den Schlitz (des Kleides) ziehen (24/31) - ... Und bleibt in eurem Haus .. putzt euch nicht heraus, wie man das früher im Heidentum zu tun pflegte" (33/33).

Da die Verhüllung sich auch in unmittelbaren Bezug zum Glauben setzte, wurde sie nicht nur zum Instrument gesellschaftlicher Isolation, sondern auch zum Symbol gegen Untreue und Lasterhaftigheit im besonderen sowie die anderen Kulturen und Religionen im allgemeinen (Heller, Schleier, 112f.). Mit ihrer äußerlich abgrenzenden Funktion war zudem nicht nur eine neue Dynamik der Denunziation und allgegenwärtigen Kontrolle begünstigt, sondern vor allem auch die Installation des Patriarchats als dominanten Ordnungsfaktors, wie sie in der zitierten, koranischen Überlegenheitsklausel zum Ausdruck kommt.

In Verbindung mit den Vorstufen des passiven Schutzes und der Ausgrenzung autonomen Handelns installiert die einschlägige Sure die uneingeschränkte Herrschaft des Mannes über die Frau. In der hier erreichten Dominanz steckt allerdings auch eine unverkennbare Ambivalenz zwischen moralischem Anspruch und menschlicher Wirklichkeit, die in der Form äußeren Drucks durch Einsperren und Überwachen der Frau eine tiefe innere, dem islamischen System immanente Fehlschaltung offenbart. Denn unter dem Druck seiner  „normativen" Gegenwart schwenkte sogar Muhammad, dessen Frauenbild lange Zeit grundsätzlich eher von Kooperation geprägt gewesen war, auf eine konsequente Linie der Konfrontation ein:

"Wenn ich meinen Auftrag als Prophet erfüllt habe, wird es in dieser Welt keine Versuchung mehr geben, die für Männer verhängnisvoller sein kann als Frauen"
(ebd., 83f.).

Dieser Meinungswandel verdankte sich in der Hauptsache dem Einfluß zweier Genossen, die ihm später auch als "rechtgeleitete Kalifen" nachfolgten, nämlich 'Ali Ibn Abi Talib und 'Umar Ibn al-Khattab, der das Recht des Mannes zur Züchtigung der Frau gefordert hatte. Beide prägten das sich im Frühislam rasch durchsetzende Weltbild, dem zufolge die Frau als Ganzes wie ein Übel zu betrachten war, dessen schlimmster Aspekt in seiner unausweichlichen Notwendigkeit bestand:

Ali: "Wenn sie (die Frauen) sich selbst überlassen sind, so kennen sie keine Religion. Sie sind ohne Tugend und ohne Erbarmen, wenn es um ihre fleischlichen Begierden geht. - Sie beklagen sich unterdrückt zu sein, obwohl sie es sind, die unterdrücken ... Erflehen wir Gottes Hilfe, um siegreich aus ihren teuflischen Verführungskünsten hervorzugehen ..." 'Umar: "Die Rede der Verschleierten ist ebenso wie sie selbst etwas, das man schamhaft verhüllen muß: Wie es sich nicht schickt, sie der Öffentlichkeit zu zeigen, ebenso schickt es sich nicht, ihre Rede auszuplaudern" (ebd., 81).

Mithin steht dem Muslim in Gestalt der Frau ein Wesen gegenüber, das -  im Besitze kaum zitierfähigen Geistes - ein von Begierden getriebenes Symbol teuflischer Versuchung darstellt und daher unter permanenter Gehorsamskontrolle durch den Mann zu halten ist. Dies umso mehr, als koranisch gesehen der eheliche Geschlechtsakt als gottgefälliges Werk gilt, das möglichst oft und effizient zu vollziehen ist, da die unbefriedigte Frau potentiell den Teufel aktiviert und die islamische Ordnung stört (ebd., 40f.). Die Ehe, von den Rahmenbedingungen der Polygamie und Verstoßung bestimmt, reduziert die Frau mithin auf den Status einer austauschbaren Ware mit sexueller Funktion.

In einer Interaktion, in der die Frau als Sexualobjekt und potentielle Botschafterin des Teufels und der Mann als ihr Kontrolleur und omnipotenter Herrscher den ehelichen Akt im Sinne einer Glaubensübung und ordnungsschaffenden Beitrags zur islamischen Gemeinschaft zu verstehen hat, bilden sich zwei Ebenen fundamentalen Mißverhältnisses. Zum einen erschweren moralische Unreinheit der Frau und moralische Reinheit des Mannes in Verbindung mit einer vollständigen Rechtsunsicherheit ein stabiles Emotionsgefüge im Sinne von Zuneigung und Liebe zwischen den "Partnern". Zum anderen erfordert die zusätzliche Besetzung der weiblichen Unreinheit durch das metaphysische Böse in Gestalt von teuflischer Begierde und Verführung ein umfassendes System der körperlich-religiösen Reinigung. Dieses System ist insgesamt darauf ausgerichtet, dem Mann den Reifeprozeß zum Eingeständnis zu ersparen, Ursprung der gleichen "Begierde" zu sein, die er der Frau unterstellt. Die marokkanische Soziologin Fatima Mernissi faßt diesen Sachverhalt zusammen:

" Der Geschlechtsakt, der als unrein gilt, wird von Riten und Beschwörungen begleitet, die eine gefühlsmäßige Distanz schaffen und die geschlechtliche Befriedigung auf seine elementarsten Funktionen reduziert: Orgasmus und Fortpflanzung. Die Botschaft des Islam, so schön sie auch sein mag, geht davon aus, daß die Menschheit nur aus Männern besteht. Die Frauen stehen außerhalb der Menschheit und sind sogar eine Bedrohung für sie ... Wenn es stimmt, daß Promiskuität und Permissivität die Barbarei kennzeichnen, dann ist nur die weibliche Sexualität durch den Islam zivilisiert worden; denn die männliche ist promiskuitiv (durch die Existenz der Polygamie) und permissiv (durch die Existenz der Verstoßung)" (ebd., 45, 49).

Das Ausmaß weiblicher Unreinheit läßt sich an der Bestimmung ablesen, der zufolge der Muslim sich nach dem Verkehr mit einer Frau zu reinigen hat, nicht jedoch nach einem solchen mit Tieren, Leichen oder Kindern, wobei das Hauptkriterium die Erregung ist, die beim Sexualobjekt hervorgerufen wird (ebd., 103). Abgesehen von den kulturhistorisch interessanten Sexualalternativen, die sich in Sodomie, Nekrophilie und Pädophilie ausdrücken, steht im Zentrum der islamischen Reinlich-keitsregeln die Sexualität als potentieller Störfaktor des Sakralen. Im Rahmen des ehelichen Aktes bei der Frau ausgelöste Begierden beinhalten notwendigerweise die virtuelle Anwesenheit des Teufels oder böser Geister (djinn), deren reale Wirkung der Mann durch beschwörende Glaubensformeln zu bannen hat. Nur die peinliche Beachtung der Verbindung aus strenger Gehorsamskontrolle und sexueller Reinheit kann das islamgerechte Verhalten der Frau, ein gottgerechtes Eheleben und den Zugang zur täglichen Glaubens-ausübung sichern.

Hier schließt sich nicht nur der Kreis zum Gehorsamssymbol des Kopftuchs, sondern es wird ebenso die fundamentale Bedeutung erkennbar, die eine konsequente Unterdrückung der Frau für das Glaubens- und Menschenverständnis des Islam hat. Menschsein im islamischen Sinne ist in allererster Linie männliches Sein. Weibliches Sein bedeutet latente Bedrohung männlichen Seins und damit des Islam an sich. Jeder Versuch zur Emanzipation kann daher nur als Tendenz von latenter zu akuter Bedrohung der traditionellen Existenzform des Islam interpretiert werden, die somit das Geistpotential der Frau systematisch ausgrenzen muß. Diese grundsätzliche Abwertung wirkt bis in unsere Zeit – auch und gerade in Europa – fort, indem ein andalusischer Imam kürzlich in einem vielbeachteten Buch darlegte, wie der gläubige Muslim seine Frau so effizient schlagen kann, daß keine  Spuren hinterlassen werden – bekanntermaßen unverzichtbarer Teil der Grundausbildung von Folterknechten in totalitären Systemen.

Gerade weil diese Frage von existentieller Bedeutung für den traditionellen Islam ist, bemüht sich der westliche Dialog durchgängig,  die Lücke zwischen koranischem Anspruch und der  Wirklichkeit des islamischen Lebens zu übersehen, und eine weitgehende Gleichstellung der Frau in Ehe und Gesellschaft zu behaupten. Die katholische Kirche hat hier eine Führungsrolle übernommen, indem es nach Kardinal Arinze, zuständig für den interreligiösen Dialog im Vatikan, kaum Unterschiede zwischen islamischer und christlicher Ethik im Bereich Ehe und Familie gibt.

Daß ihre grundsätzliche Herabstufung in eine Sphäre minderer, eher biologisch verstandener Qualität eine dem Islam originär eingewurzelte und dort unverändert konservierte Daseinsform darstellt, konnte schon vor 800 Jahren kein Geringerer als der große Averroes bestätigen, der zu diesem Thema kritisch feststellte:

"In diesen unseren Staaten kennt man die Fähigkeiten der Frauen nicht, weil man sie hier nur für die Fortpflanzung einsetzt. Das macht ihre (anderen möglichen) Aktivitäten zunichte. Weil Frauen für keine der menschlichen Tätigkeiten für fähig gehalten werden, geschieht es oft, daß sie Pflanzen gleichen. Daß sie in diesen Staaten eine Last für die Männer sind, ist einer Gründe für die Armut dieser Staaten" (Heller, Schleier, 82).
 

(c) Hans-Peter Raddatz

 

zurück | Mail
Startseite | Ahmadiyya | Bundesverband der Bürgerbewegungen

Haftungsausschluss/Disclaimer


 

STARTSEITE
START - Ahmadiyya

ISLAMISTISCHE POLITRELIGION
- politisches Ziel
- Missionierung an Schulen
- Kopftuch-Dschihad

10 Fragen an Juristen

prima Ahmadiyya-Klima?

Leserbrief Pfarrer Happich

+ wie man sich wehrt +

Islam-LINKS
Lektüre-Tips

Was ist? :
100-Moscheen-Plan
Taqiya
"Dialog"
"Beim ersten Aufstieg des Islams war der Untergang der christlichen Völker nicht endgültig, aber sein Wiederaufstieg in unserer Zeit wird die vollständige Verdrängung der Lehrsätze des heutigen Christentums herbeiführen" (Anmerkung 153, S. 644 des Ahmadiyya-Koran) Buch über Ahmadiyya

Lessings "Nathan" als Toleranz-Ikone

Bücher

Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern (Eichborn, Frankfurt/M., 19,90 Euro).

bestellen |WELT 30.4.03 | Leseprobe | Rezension

Kommt der Islam? Die Fundamentalisten vor den Toren Europas (Rolf Stolz) - allgemeinverständliche Einführung über das Bedrohungspotential des Islam für unsere offene Gesellschaft. Kernpunkt: Unvereinbarkeit des Islam mit Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit, den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft.

Exzerpt | bestellen | über Integration/Assimilation | Raddatz-Rezension

Ahmadiyya-Bewegung des Islam (Hiltrud Schröter) - die Studie weist anhand der Ahmadiyya-Schriften nach, dass es sich um eine totalitäre "brain-washing"-Sekte handelt, die weltweit Hass gegen Christen und Juden verbreitet, demokratische Prinzipien ablehnt und ein Menschenbild vertritt, das den Einzelnen zum unmündigen Wesen erklärt. Die Form des Djihad, den die A. betreibt, bezeichnet Schröter als "Djihad des Geldes". Mit der bisher unerklärten Finanzkraft der Sekte steht auch ihr 100-Moscheen-Plan für Deutschland in Beziehung.

Zusammenfassung | bestellen

Von Allah zum Terror? Der Djihad und die Deformierung des Westens - das neue Buch von Hans-Peter Raddatz: Die Zivilisation des Westens unterliegt einem unaufhaltsamen Denk- und Bildungsverfall und entwickelt zugleich einen ins Totalitäre weisenden Trend zu Konsum, Spaß, Kontrolle und – Terror, wobei der Islam dem Geschehen in Europa den „interkulturellen" Treibsatz gibt.
bestellen

Die Wut und der Stolz (Oriana Fallaci) - Aufruf zum Widerstand des Westens gegen den Dschihad als islamische Massenbewegung. "Das wichtigste politische Buch dieses Jahres ... Gründungsdokument eines europäischen Liberalismus, der diesen ehrenvollen Namen wieder verdienen könnte" (weiter in der Rezension).
bestellen

Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. Vom Dschihad zum Schutzvertrag (Bat Ye'or) - eindrückliche Schilderung, die deutlich macht, dass die Behauptung vom toleranten Islam Dialogisten-Geschwätz ist.
bestellen

Von Gott zu Allah? Christentum und Islam in der liberalen Fortschrittsgesellschaft (H.-P. Raddatz) - in enzyklopädischer Breite werden Christentum und Islam von den Wurzeln bis zur Gegenwart dargestellt sowie der christlich-islamische Dialog als "Geistschwund im Fortschritt". Das sehr anspruchsvolle Buch wendet sich nicht ans breite Publikum, ist aber ein Muß für jeden, der auf hohem Niveau über die Risiken einer unreflektierten Öffnung zum Islam nachdenken und diskutieren will.

Rezensionen | bestellen

 

 

Situation von Christen in muslimischen Ländern

Stellung der Frau