Ulrich Woronowicz
Superintendent i. R.
Der Islam und das wertezertrümmerte christliche
Abendland
Rezension des Buches von Hans-Peter Raddatz „Von
Gott zu Allah?", Herbig München 2001, DM 69.80
Freiheit braucht Ordnung | Alarmruf
| Unfreiheit beginnt mit Denkverboten | ohne
Trinitätslehre kein Christentum | religiöser Totalitarismus
läßt keinen Raum für Dialoge | Heiligkeitstotalitarismus
knebelt Vernunft | christliches Mittelalter
| viele Köche für Multikulti-Brei | starker
Islam - schwacher Okzident | Fortschritt als
Rückfall in Steinzeit | Ko-Index zum Buch
Freiheit braucht systemische Ordnung
Alles Leben ist wertesystemisch geordnet. Wenn Wertesysteme zerfallen
oder zertrümmert werden, dann bleiben ihre Einzelteile
nicht lange unberührt liegen. Andere, stärkere Dominanzwerte
sammeln sie auf, vernichten jene Teile an ihnen, die sie nicht brauchen
können, entkleiden sie ihres ursprünglichen Geltungs- und
-Machtanspruches und inkorporieren den Rest in ihrem eigenen System.
Immer erhalten die Trümmer aber einen dienenden, oft einen sklavenähnlichen
Status. Die Grundmauern der alten Heiligtümer sind
in der Regel die Fundamente für die Tempel der neuen Herren. [zurück]
Ein Alarmruf
Mit dem Titel „von Gott zu Allah?" will der Autor aufgrund seiner
sachkundig begründeten Beobachtungen uns alle alarmieren. Nicht
emotional -hysterisch, nicht pseudo-prophetenhaft und persönlich
geltungheischend-überheblich, sondern messerscharf und nüchtern-intellektuell
sagt er zu uns: die politischen und kirchlichen, die wissenschaftlichen
„Kader" und die meinungsführenden Medienmanipulierer Deutschlands
sind durch die Vorherrschaft einer Multi-Kulti-Ideologie soweit
heruntergekommen, daß sie alle Werte, die wir haben, auf dem Altar
eines neuen Götzen opfern. Wenn sie „Dialog" sagen, dann
meinen sie das Verwischen, das Einebnen und Glattkitschen von unvereinbaren
Gegensätzen. Wenn sie „Frieden" sagen, dann sollen wir die Rechtsbrüche,
die ungerechtfertigten Machtansprüche Fremder gar nicht erwähnen,
oder wenn es dann unvermeidlich ist, sollen wir keinerlei Konsequenzen
daraus ziehen dürfen. Schon das wäre „kalter Krieg",
„Extremismus", Fundamentalismus", „Rassimus" Faschismus", und das muß
verschwiegen, ausgegrenzt, im Bedarfsfall verfolgt werden. Daraus
ergibt sich, daß jeder „Dilalog" zwar den Schein des Demokratischen
unbedingt haben und immer neu erhalten muß - aber er muß
unter dem Vorzeichen des unverbindlichen Geschwätzes, der Talks-Show-
Mentalität stehen bleiben. Es dürfen Fälle aller Art,
auch mit Empörung, zitiert werden, aber sie müssen als
Einzelfälle, als besondere Vorgänge, als personenbezogene
Phänomene „fallisoliert" bleiben. Niemals dürfen sie
als Merkmale für ein größeres Ganzes, für das
Typische eines Systems angesehen werden, zumindest dann nicht, wenn
es sich um das zu privilegierende System handelt. [zurück]
Unfreiheit beginnt mit Denkverboten
Anders gesagt: Wahrnehmungen ohne vorgeschriebene Brille werden
heute nicht anerkannt, nicht für Veröffentlichungen
abgenommen.
Genau diesen Zwang will der Autor entrinnen. Er begründet, er arbeitet
hervorragend sprachschöpferisch, so gut, daß ich in einem
Anhang einen ersten Ko-Index von Begriffen mitliefere, denn hier werden
uns Werkzeuge zugereicht, die uns hellsichtig machen, und die es uns
ermöglichen, komplizierte Tatbestände schnell zu erfassen
und zu transportieren. Mit systemtheoretischem Denken führt er
seine Leser durch weite Geschichtsabschnitte und zeigt uns,
warum wir in unserer Gegenwart vulkanisch entstandene Gebirge
und Gesteinsschichten in Form von erstarrten Religionen und Ideologien
finden, die man nur übersteigen oder umgehen, nicht aber verändern
oder gar beseitigen kann.
Beim Durchschreiten der Geschichte bedient er sich des
Bewegungsprinzips von Vierbeinern, z. B. von Pferden: gleichzeitig
rechte Hinterhand und linkes Vorderbein vor, und dann linke Hinterhand
und rechtes Vorderbein vor.
In Teil 1 z. B. : „Geist der Christen" und „Kirche und
Staat" und dem gegenüber „der Verkünder" und „der Koran".
Die gewaltige „kulturelle Wirkmacht"
im griechisch-römischen Macht- und Kulturkreis einer ursprünglichen
spätjüdischen, völlig unbekannten Sekte in Gestalt des
jungen Christentums war das Ergebnis einer neuen Theologie. Diese
ermöglichte durch die Lehre von der Dreieinigkeit eine überzeugende
Lebensordnung für alle. Mit dem 1. Artikel wurde
eine strenge Autorität als Meta-Ebene gesetzt. Sie erhielt ihren
glaubwürdigen Zugang durch den 2. Artikel. In ihm begegnete dem
Menschen göttliche Autorität als Offenbarung, zugleich auch
die unbestechliche Wahrheit über den Menschen selbst als zu stark
ichzentriert - und mit der Erkenntnis dieser Wirklichkeit sofort die
Erlösung von ihr durch die Annahme der Vergebung, die durch den
Kreuzestod Christi bewirkt wurde. Im dritten Artikel wurde
eine tiefe Geborgenheit gegen die Macht des Todes verbunden mit einer
letztlich nicht faßbaren, aber glaubbaren Einwirkung Gottes als
Heiliger Geist, der immer neu moralische Veränderung möglich
machte.
Der theologische Laie der Orientalist und Volkswirt versteht und erkennt
die gewaltige Bedeutung der Trinitätslehre besser als sehr
viele Fachtheologen, Priester und Pfarrer, und er hält konsequent
an dieser schon am Eingang seines Buches vorgestellter Position eisern
fest. „Jesus als menschgewordener Logos, als geschichtliche Weisheit
Gottes, war Ursprung und Ziel der inneren Ordnung des Menschen, Mittler
seines Bewußtseins zwischen Welt und Gott in der Ausrichtung auf
die Erlösung, umgriffen von der glaubensspendenden Gnade des Heiligen
Geistes" .
Stellen wir dieser so treffenden Kurzfassung des Christentums
den Schrittgegenzug des Autors dar, der den 600 Jahre später entstehenden
Islam erfaßt. Der Monotheismus des „Muhammad" ist absolut
autoritär. Die Undiskutierbarkeit dieser Religion beginnt schon
bei der Hochstellung des Koran: „Nach islamischem Verständnis stellt
der Koran das unerschaffene, seit ewig bereits vor der Schöpfung
der Welt auf einer >Tafel vom Himmel< existente Wort Allahs dar,
das Muhammad als dem auserwählten, allerdings schriftunkundigen
Verkünder übermittelt wurde, um es fortan durch fortlaufende
Rezitation im Gedächtnis der Menschen festzuschreiben". [zurück]
Ohne Trinitätslehre gibt es kein Christentum
Man beachte, daß hier der vom Islam so herabgewürdigten
christlichen Trinitätslehre zwei starre, meta-ebnische Elemente,
der Koran und der Prophet, in die gleiche Rangebene, die göttlicher,
unbezweifelbarer, aber auch unansprechbarer Transzendenz, also auf die
Ebene einer auch durch persönliche Gebete nicht mehr erreichbaren
Überzeitlichkeit gehoben werden. Das aber kann nur eine völlige
und bedingungslose Unterwerfung der Gläubigen unter die religiösen
Autoritäten zur Folge haben. Ethische Verfehlungen und gute Taten
werden am jüngsten Gericht
gegeneinander abgewogen, aber eine Heilsgewißheit wie im Christentum
gibt es nicht. Von daher bleibt die Furcht vor der Verdammnis
ein bestimmender Faktor des Muslim. Er kann dem Zorn Allahs nur dadurch
entrinnen, daß er immer neu durch praktischen Ritenvollzug und
durch die „klare Abgrenzung gegen Andersgläubige"
sich vor dem Zorn Allahs" schützt. [zurück]
Religiöser Totalitarismus läßt keinen
Raum für Dialoge
Was bleibt da noch übrig für einen „interreligiösen
Dialog?" Gar nichts, es sei denn, man könnte beweisen, daß
diese hier genannten Ausgangspositionen vom Autor nicht genau,
korrekt und sachentsprechend vorgestellt worden sind. Dieser Beweis
aber ist nicht möglich, denn Raddatz entfaltet die „Grundlagen
des islamischen Systems" auf 37 Seiten, und die sich daraus ergebenden
Konsequenzen im Kapitel „die Machtstrukturen des klassischen Islam"
auf 24 Seiten, die Abwehr aller Einflüsse durch eine islamische
Art der Aufklärung, die es auch einmal gegeben hat auf gut 20 Seiten.
Ich wende mich dem Thema - Harmonisierung von Christentum
und Islam - nun hier darum zu, weil ja immer erneut behauptet
wird, daß es auch einen im westlichen Sinne humanen Islam
gegeben hat.
Vorab aber sei einmal darauf aufmerksam gemacht, daß Raddatz durch
sein systemtheoretisches Denken im Blick auf den Gegensatz von Christentum
und Islam zu einem weiterführenden Denken über den Gegensatz
von Religion und Vernunft überhaupt anregt. Ungezählt sind
Schriften von christlichen Theologen und Philosophen über dieses
Thema. Es gehört, auf welcher Seite immer man steht, zu den interessantesten
Themen überhaupt. Aber es wird nicht oder viel zu wenig gesehen,
daß auch Ideologien, Konfessionen oder Sekten, die sich
von ihrem Hauptsystem feindlich abgekehrt haben, ja, alle autoritätsbedürftigen
Institutionen, schnell zu Feinden der Vernunft werden, wenn diese ihre
Autorität anzweifelt. Es handelt sich also, und darauf kommt es
mir hier an, nicht um ein begrenztes Problem, das nur dem doch begrenzt
bleibenden Gegensatz von Glaube und Wissen zugeordnet werden kann, sondern
es handelt sich um ein grundlegendes Problem aller Wertesysteme überhaupt,
denn alle, wirklich alle, sind darauf angewiesen, daß ihre Fundamente
irgendwann unbezweifelbar und immun gegen jeden Wandel der Zeit,
der ihren Bestand gefährdet, festgeklopft werden. Wenn man
von d i e s e m Standpunkt ausgeht, dann wird die Frage interessant,
wann und um welchen Preis das geschieht, und da ist der Vergleich zwischen
den christlich geprägten Kulturen, nicht nur die im christlichen
Abendland, und jenen Völkern, die der Islam beherrscht, wichtig
für die Bewertung der uns jeweils bestimmenden Lebensordnungen.
[zurück]
Heiligkeitstotalitarismus knebelt die Vernunft
Vernunft als kritische Instanz gegen den Glauben wird eh niemals
zugelassen. Sie muß sich daran genügen lassen, die innersystemischen
Funktionen durch Beweise zu stärken, und sie bleibt dennoch der
Ketzerei verdächtig, denn diese Beschränkung mag
Vernunft nun einmal nicht. Sie stellt bohrende Fragen. Sie will sich
z. B. die Behauptung, daß der Koran „unerschaffene Offenbarung"
ist nicht akzeptieren. Der Perser Djahm fand sich z. B.
damit nicht ab. Auch ein gewisser „Ghaylan al-Dimashi (gest. 742) übernahm
diese ketzerische Sicht - und wurde dafür gekreuzigt
.
Raddatz gibt Einblicke in den verzweifelten Kampf der „islamischen Philosophie"
um die Eigengesetzlichkeit der Natur, in der der selbständig denkende
und handelnde Mensch einen angemessenen Platz haben kann. So schwer
ist das nicht zu verstehen, denn wenn die Dogmatik alles, aber auch
alles direkt als von Allah bewirkt sein läßt, dann ist der
Mensch, der da selbständig in der Schöpfung herumfuhrwerkt
des gottwidrigen Eigensinns schon sehr verdächtig, und es ist wohl
nicht schwer, von diesem Ausgangswert aus eine punktierte Linie zu einem
Menschen zu ziehen, der nicht unternehmensfreudig sein kann, während
das eine Theologie, wie z. B. die christliche, diese Fesseln nicht
anlegt, oder, vorsichtig gesagt, sie niemals total werden läßt.
Doch vor christlicher Überheblichkeit ist zu warnen, denn die evangelische
Theologie kennt diesen Streit unter uns auch. Helmut Thielicke und Karl
Barth lagen z. B. in hartem Konflikt um die Frage nach der „Freiheit
der Vernunft gegenüber der Welt" , und auch er hat gegenüber
der Barthischen Orthodoxie verloren, denn diese griff und greift immer
erneut im Namen Gottes direkt in die Eigengesetzlichkeit der besser
von Fachleuten zu beurteilen und zu lenkenden Handlungsfelder ein. Es
ging los mit dem Kampf gegen die Wiederaufrüstung, gegen die Atombewaffnung,
später dann gegen die Atomkraft überhaupt. Heute wird
diese Art von christlichem Glauben bei Roten, Grünen und Grün-Roten
täglich in recht problematischer Weise umgesetzt. Thielicke konnte
nicht gekreuzigt werden, aber er wurde und wird durch Totschweigen vollständig
eliminiert. Man durfte ihn z. B. nicht mehr zitieren. Das ist die Form
der Ketzerverfolgung in einem System, das für sich die Begriffe
„Freiheit der Forschung", „Demokratie" und „Rechtsstaatlichkeit" als
Demo-Tafeln ständig vor sich her trägt.
Ähnliche Systeme bringen nach dem Prinzip der eigengesetzlichen
Verstärkung ähnliche Formen der Unterdrückung hervor.
Einsichten wie die, die uns Raddatz vermittelt, haben darum eine große
Bedeutung für den Umgang mit tabuisierten, in die politicall Correktness
gehobenen Dogmen, an denen ein Land schnell zugrunde gehen kann, denn
die Folgen von vernunftfeindlichen Dogmen sind in der Regel ein hohes
Maß an ökonomischer Mißwirtschaft, der sich eine zuerst
erzwungene, dann gern angenommene Trägheit und Verantwortungslosigkeit
zugesellt. Allah, Gott, oder heute der alles an sich ziehende Staat
- das sind dann die Träger und die Verantwortlichen für alles,
für das Gute und das Schlechte. Der Bürger trägt das,
duldet das, schneidet sich heimlich und gesetzwidrig da und dort ein
größeres Stück vom Kuchen als ihm eigentlich zusteht
ab und verschwindet wie ein Tier mit seiner Beute in seinem Loch.
Wir müssen es lernen, den Zusammenhang von Theologie und Ökonomie
zu verstehen. Er war in der Geschichte wirksam, er ist es genau so auch
heute. [zurück]
Entfaltung der Differenzierung, nicht wachsender
Zentralismus ist das Geheimnis allen Fortschrittes
Im Kapitel „Christentum im Mittelalter" widerspricht der Autor der
weitverbreiteten Meinung vom „finsteren Mittelalter". Das stimmt darum
nicht, weil sich gerade in dieser Zeit ein spannungsvolles Gegenüber
von Kirche und Staat entwickelte. Aufgebrochen wurde dadurch schon
„zwischen dem 10. und dem 14. Jahrhundert" eine angeblich einheitliche
und unbewegliche Gesellschaftsordnung in Struktur, Glaube und Weltanschauung:
„Der innere Trennungsprozeß zwischen kirchlichem und weltlichem
Herrschaftsbereich bewirkte in beiden Verstärkungs- und Abgrenzungstendenzen,
die sich in langfristigen Umstrukturierungen der Gesellschaft niederschlugen"
. Kloster- und Ordensbewegungen machten die Kirche
kirchlicher und das Königtum, der Adel, und die Städte
wurden ein Stück weit weltlicher.
An dieser Stelle sei kritisch vermerkt, daß alle
sehr weiträumigen Zusammenfassungen von geschichtlichen Ereignissen
ständig dadurch stark relativiert oder gar aufgehoben werden können,
daß man auf Vorgänge hinweist, die zu der jeweils festgestellten
Grundtendenz deutlich im Widerspruch stehen. Das ist in unserem Text
z. B. der Fall bei der Bewertung der Reformation. Sie differenziert
die „Kirchemacht" nicht mehr, sondern durch die Reformation wird eine
nicht mehr heilbare Spaltung des gesamten corpus christianum eingeleitet:
„Indem jeder nur sich selbst verkörperte, waren die Weichen
nicht nur in Richtung einer grundsätzlichen Auflösung der
kirchlichen Einheit, sondern zugunsten einer prinzipiellen Zersplitterung
gestellt, wie sie für den späteren Protestantismus so kennzeichnend
geworden ist. Aus der Rebellion gegen die monolithische Autorität
der Kirche und ihren Machtmißbrauch ging ein im Grunde unbeschränkter,
religiöser Individualismus hervor, der nicht nur eine Vielzahl
von Sekten inkl. Den Religionspluralismus, sondern auch einen generellen
Skeptizismus gegenüber jedwedem religiösen Anspruch bis hin
zum völligen Glaubensverlust beinhaltet" .
War diese Spaltung schon fundamental, als irreparabel
und für ewig trennend, oder war sie begrenzt, so, daß
sie durch die Bemühungen der Oekumene doch noch zu heilen wäre?
Standen wir schon damals vor der Zertrümmerung des christlichen
Abendlandes?
Der Autor wird sich wohl dann richtig verstanden wissen, wenn
man sagt, daß nur dann eine vollständige Zertrümmerung
erfolgt, wenn man ein gänzlich neues System anbietet, in
das dann alle bisherigen Teile in relativierter Form hineingestopft
werden. Das nämlich macht die Vollendung der Spaltung zu einer
Zertrümmerung systemisch notwendig. [zurück]
Damit sind wir bei dem eigentlichen Kernthema des
Buches: der Zertrümmerung des christlichen Abendlandes,
genauer bei dessen Anfang. Anschaulich schildert der Autor, daß
das heute von allen Seiten gleichzeitig erfolgt, auch, sicher zum Erstaunen
vieler, durch die katholische Kirche. Die evangelischen Kirchen
sind ja schon seit längerem auf dem Kriegspfad gegen alles Althergebrachte.
Unter der Flagge ihrer angeblichen Fortschrittlichkeit machen
sie alles nieder, was ihnen zu alt zu sein scheint. Dieser umfassenden
Wertezerstörung soll dann die Verwirklichung eines Weltheilkonzeptes
folgen, das alle konfliktträchtigen Trennungslinien aufhebt und
ewigen Frieden, Heil und Wohl für alle mit sich bringen soll. [zurück]
Viele Köche für einen Brei
Im Bild gesprochen haben sich alle kirchlichen, säkular-philosophischen
und meinungsführungsmächtigen Kräfte zu eine neuen
Blockpartei zusammengeschlossen. Sie stehen als Köche mit
recht unterschiedlichen Löffeln und Hauben vor einem riesengroßen
Kessel und fordern sich gegenseitig auf, um des Weltfriedens und der
Welteinheit willen, ihre jeweiligen Nationalgerichte ohne Abstriche
in den Kessel zu schütten. Ihre Kochkunst, ihr erlerntes
Handwerk sollen sie dabei völlig vergessen. Das hindert nur, das
baut nur neue Spaltungen auf. Besser ist es, wenn sie sich zu
einem Weltchor verbinden und dabei, jeder in seiner Sprache, singen,
was keiner versteht - aber man ist zusammen, und ein neuer, undefinierter
Glauben nicht das Wissen, soll so stark werden, daß diese Suppe
allen, aber auch allen gleichermaßen schmecken wird. Hipp-Hopp-
Kantoren sollen langsam die Theologen auf die hinteren Bänke drücken.
Singen und dabei Rocken ist besser als denken.
Der schwammige Begriff der „Spiritualität" verhindert jeden kritischen
Einwand. Gemeint ist mit ihm die Heiligsprechung von Emotion gegen die
Vernunft, indem sie zum unabtrennbaren Teil des Heiligen
Geistes erhoben wird. Der Tourismus-Papst, der auf der Rückseite
des Buchumschlags den Koran küßt, soll allen zeigen, daß
das Christentum tatsächlich auch mit seinen Widersachern eines
Tages die Weltvollsuppe, in der die Fleischstücke , die man Humanität,
Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit schwimmen, anstandslos
mit uns auslöffeln wird. Daß bei jeder Suppe, besonders bei
einer so großen, immer im Kessel nach den jeweils besten Stücken
gefischt wird, und das diejenigen, die den längsten Löffel
haben, auch die besten Stücke abkriegen, während der Rest
der Welt sich mit der dünnen Brühe zufrieden geben muß,
davon wird nicht gesprochen.
Mit nur zu großem Recht zieht der Autor eine gerechte
und erträgliche Verwirklichung dieses Konzeptes in Zweifel. Aber
der Geist der Zeit, der „mainstream" unserer Medienwelt, geht stark
in diese Richtung, und sie ist nur zu gehen, wenn geistige Impotenz
zur vorherrschenden Macht auf allen Ebenen wird. Raddatz bietet dafür
etliche Begriffe an, die im Anhang als Ko-Index von mir gesammelt
worden sind. [zurück]
Der Starke ist am mächtigsten allein
Zu den Starken gehört der Islam, und er wird mehr und mehr
löffeln und bestimmen, wer was bekommt, und noch mehr: wer woran,
wie intensiv zu glauben hat.
Unsere Schwäche wird gefördert durch den
Abbau der gesellschaftlichen Bestimmungskraft unserer geistigen Fähigkeiten.
Wohlgemerkt, sie sind nach Meinung des Autors, der ich zustimme,
noch da, aber sie sind nicht da, wo sie sein müßten. Die
Übertreibung der Gleichheitsideologie hat zu einer gesamtgesellschaftlichen
Demenz geführt: „Was als Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Menschenrecht
begann, wird nun als unentrinnbarer Zwang zur Gleichheit im Abbau des
Geistes erkennbar, der sich auf dem Weg zur arbeits- freizeit- und spaßzentrierten
Massengesellschaft im graduellen Verschwinden von Glaube, Wissen, Herkunft
und Würde vollzieht".
Mit dem Begriff „Übertreibung" sind wir schon bei
der Antwort auf die von mir gestellte Frage nach der Auflösung
des Widerspruches zwischen einem einmal zu bejahenden Differenzierungsprozeß
und zum anderen mit der Verneinung einer Dezentralisierung, die zu einer
chaotischen Zersplitterung führt. Hier gilt ganz einfach: Alles
möchte zu seiner Zeit geschehen, alles gehört auf seinen Platz,
der dann allerdings auch seine Grenze nach allen Seiten haben muß,
aber die heute befürwortete und erwünschte totale Entgrenzung,
das ist das Hauptübel, und ich denke, daß ich damit auch
im Sinne des Autors, sicher zu kurz, aber doch ihn verstehend und für
alle noch gerade verständlich geantwortet habe.
„Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gerne in
langen Kleidern (Roben) gehen" (Mark. 12,38)
Kritiker werfen Raddatz vor, daß er als Nichttheologe
unsachliche Kritik, besonders an der katholischen Kirche, geübt
hat. Ich hatte eingangs schon gesagt, daß er als Laie die Dinge
richtig gesehen hat.
Ich bleibe dabei: er hat sie richtig gesehen. Im Raum der Evangelischen
Kirche gibt es in Bensheim ein „Konfessionskundliches Institut", das
sich sehr fachspezifisch und gründlich ständig besonders mit
Katholika-Fragen auseinandersetzt. Ich war während meiner Amtszeit
zeitweilig auch Vorsitzender dieses Werkes in Berlin-Brandenburg und
habe von daher noch den Zugang, besonders zu dem „Materialdienst"
dieses Werkes.
Als Beispiel verweise ich auf einen Artikel von Privatdozent Dr. Reinhold
Bernbach, Heidelberg .
Ich bleibe bei meinem Bild von den Köchen, die am großen
Multi-Kulti-Weltkessel stehen. Natürlich haben sie die Frage:
wenn wir alles was wir haben, dort mit hineintun - was bleibt dann von
unserer Suppe übrig? Behalten wir dann noch unsere Identität?
Lösen wir damit nicht u n s e r e Suppe
und damit am Ende auch uns selbst als die Köche auf? Auf
diese Frage gibt Bernbach, natürlich in der Fachsprache der Theologie,
die ich hier übersetzen muß, Antwort.
Er fragt, wie der Heilsalleinvertretungsanspruch des Christentums
in einer Theologie der Religionen" aufrecht erhalten werden kann.
Es kann hier nur auf ein
Argument eingegangen werden, das dem Autor „Von Gott zu Allah?"
Recht gibt. „Es kann in einer >Theologie der Religionen< nicht und
niemals darum gehen, theologische Lehrstücke in vorauseilender
Unterwürfigkeit den vermeintlichen Erfordernissen des interreligiösen
Dialogs anzupassen". Es dürfen also von den christlichen Köchen
nicht jene Stücke aus ihren Zutaten geschnitten werden, die für
andere nicht verdaulich sind. Wenn das geschieht, dann geben sie sich
selbst auf und verletzen ihr Amt - und genau von dieser Grenzüberschreitung
spricht Raddatz und weist auf die dann nicht mehr vermeidbaren Folgen
der Selbstzerstörung hin Das ist schon von daher nicht möglich,
weil die anderen Köche, insbesondere die des Islam, überhaupt
nicht daran denken, auch nur ein winziges Stück von ihrem Part
aufzugeben. Auf diese Ungleichheit hebt er ab, wenn er darauf hinweist,
daß die Evangelischen Kirchen nach wie vor dazu schweigen, daß
Christen weltweit vom Islam in deren Ländern verfolgt werden.
Nicht mit unserer Verfassung und mit unseren Gesetzen kompatibel ist
die shari'a als unmittelbar geltendes Gesetz, besonders in der Frauenfrage.
Eine klare Regelung bietet er an für die Frage nach der Zulassung
des Muezim-Rufes von den bei uns schnell entstehenden Moscheen,. Das
sind nur einige wenige Beispiele dafür, daß wir mit
diesem Buch ein gutes Nachschlagewerk für alle praktischen uns
heute beschäftigenden Fragen haben. Der Index dafür muß
allerdings noch erheblich nachgebessert werden. [zurück]
Fortschritt heute ist in Wahrheit Rückfall in
die Steinzeit
Im Kapitel „Die Chancen des Islam -Strukturen globaler Fremdorientierung"
(S. 408ff) gelingt es Raddatz durch die Anwendung systemtheoretischer
Denkwerkzeuge der Aufriß einer historischen Spirale des Abendlandes,
in der das Ende sich in tragischer Weise bumerangartig seinem Ausgangsstadium
annähert. Das kommt zustande durch den Wechsel der Leit-
oder Dominanzwerte. Durch den Vergleich mit dem Islam gelingt es dem
Autor, den christlich geprägten Kulturkreis und die vom Islam
bestimmten Regionen in ihrer charakteristischen Gegensätzlichkeit
griffig zu beschreiben.
Gegensatzpaar Nr. 1: Fast gleicher religiös tabuisierter, imperialer
Ausgangsleitwert in Form der Verbindung von Thron und Altar, aber im
Islam total versteinert, dagegen im Westen schon Differenzierungsmöglichkeit
durch Bündnis von Glauben und Philosophie im Keim angelegt.
Nr. 2 Wert Wissenschaftlichkeit, Liebe zur Wahrheit
kann sich im Westen langsam auf den Platz des ersten Leitwertes vorarbeiten.
Zwei Unterstadien werden dabei erreicht: Befreiung des Einzelnen vom
Gegenleistungszwang für Sünden durch gute Werke, Befreiungsleistung
der Reformation, 2. Voranschreiten der Aufklärung mit Höhepunkt
in der Französischen Revolution.
Stadium Nr. 3: Dann kommt es zur Übersteigerung der
antireligiösen und wissenchaftsbetonten Fortschrittsideologie
zu einer hinter dem Begriff der postmoderneversteckten Neureligion,
zu einer „Heilsutopie des postmodernen Wandels, welche die letzte Erlösung
in der >Einheitsmenschheit< erkennt, einem vom Menschen selbst im
Zeitrafferverfahren anzustrebenden prinzipiellen Ziels, das in der Verschmelzung
aller Religionen, Kulturen und Ethnien in Frieden, Freiheit, Gleichheit
und Wohlstand besteht. Dieser Prozeß erzeugt Machtkonzentrationen
bei neuen Eliten, die sich auf Basis undemokratisch beanspruchter Legitimation
wachsende Privilegien aneignen. Dabei übernehmen volkspädagogische
>Dialoge< der Interreligion, Multikultur und des Globalethos die
Rolle einer quasi-religiösen, alternativlosen Idealkonzepts, dessen
Einübung die in gleichem Zuge zu entmündigende und uniformierende
Masse einer heilsbringenden, profan erlösenden Zukunft entgegen
führt" (406) So endet die Demokratie über eine bürokratische,
gesichtslos gewordene europäische und dann globalistische Demokratur
in einer geistlosen, dann alles Geistige Verfolgenden Diktatur - womit
wir in der Nähe der Ausgangsposition wären, die zweitausend
Jahre zurückliegt. Durch zu großen Weltverbeserungseifer
ist alles in sein Gegenteil umgekippt, und wir fleißigen Deutschen
stehen dabei natürlich wieder an der Spitze dieser Entwicklung,
gemäß einer der von uns in der DDR persiflierten 1. Mai-Parolen:
heute stehen wir am Abgrund. Morgen sind wir schon einen Schritt
weiter. Im Krieg hieß das: Vorwärts Kameraden, es geht zurück.
Zu denen, die in diesem konturenlos machendem Sumpf
Massenhochzeit feiern, gehören nun auch die moralverschuldeten
Erben des christlichen Abendlandes. Sie bitten u. a. auch den Islam
um seine Hand, obwohl hier ein Lamm einen Wolf um die Heirat bittet,
denn beide Systeme sind nicht miteinander kompatibel. Nur Dummheit,
gepaart mit Machtgier bekommt es fertig, solche Anträge zu stellen,
getreu der Devise: Macht braucht Dummheit, Großmacht braucht Massenverblödung.
In seinem nur zu berechtigten Zorn über diese „Entwicklung",
die in Wahrheit eine Verwicklung mit selbsterdrosselnder Wirkung ist,
kommt Raddatz zu immer neuen Beschreibungen dessen, was Dummheit ist
und bewirkt, z. B. : „Sachliche Erkenntnisverengung". Für
den gebräuchlichen Begriff „Populismus" setzt er „volkspädagogische
Dialoge" ein. „Ideologie, die sich rationaler Betrachtung entzieht"
ist Dummheit. (408/409). Das gilt auch für die alle Zweifel nicht
zulassende „dialogische Gedankenfabrikation". Wie stark inzwischen
sich die kirchlichen Eliten mit den globalistischen verbündet und
verbündelt haben, und damit die Trennung von Kirche und Staat praktisch
längst hinter sich gelassen haben, drückt der Autor mit
Begriffen wie „ polit-kirchliche Elite mit enormer interkultureller
Propaganda" aus. (S. 410) Sie gehört zur „kommenden Globalelite
der selbsternannten Führung eines interreligiös-multikulturellen
Menschheitsprojekts." (410) Sie haben „die Pflicht, (ihr) Herrschaftswissen
in Programmen der verordneten Toleranz und interkulturell kanalisierten
Entmündigung den ihnen anvertrauten einzupflanzen". (410)
Besonders schlimm liegt in der Konsequenz dieser Entwicklung ein
„utopischer Heilszwang", der „Terrorfähigkeit" fördert, die
mit „politischer Diskriminierung" beginnt und mit der Aufhebung bisheriger,
bewährter Rechtsordnungen zugunsten einer „umfassenden Modifikation
des staatlichen Rechtslebens" endet. (410) Die Entwicklungsschritte
der populistisch-primitiven, dennoch mit einem Welt-Ethik-Anspruch
ausgezeichneten Etikett - seid nett zu allen, dann - seid
besonders nett zu Ausländern - dann ihr müßt vor
allem nett zu Ausländern" sein, führen am Ende
zu „der Verhaltenskonditionierung zur bedingungslosen Akzeptanz dieser
Kulturen. Aus einer offenen Gesellschaftsdynamilk der demokratischen
Kompromißsuche wird eine geschlossene Gesellschaft unter den Steuerimpulsen
einer fremdbestimmten Massenideologie. Die pluralistische Differenzierung
der westlichen Gesellschaft wird unter dem elitären Diktat der
Interkultur in eine Plus/Minus- Dialektik der Fremdorientierung gezwungen".
(411) (Weiteres dazu - siehe Ko-Index)
Raddatz macht klar, wo wir bei der Frage der Ordnung der
Zuwanderung von Ausländern anfangen müssen: nicht beim
Problem, sondern bei denen, die es durch ihren Politschwachsinn seit
mehreren Jahrzehnten in Deutschland erzeugt haben. Das Ausländerproblem
ist ein Inländerproblem, und zwar die Frage nach der intellektuellen
und sachlichen Berechtigung der Meinungsführerschaft jener,
die sich selbst auf diesen Gebieten gegenseitig zu Führern der
Nation erhoben haben.
Dieser entscheidenden Frage muß sich nunmehr Deutschland
stellen. Darum gebührt diesem Buch höchste Aufmerksamkeit,
denn es ist eine bedeutsame Gesamtkritik an unserer gegenwärtigen
Gesellschaft, die anhand eines brennend aktuellen Beispiels, der Frage
nach dem Umgang mit Fremdkulturen, vom Autor gestellt wird. [zurück]
Anfang und Entwurf eines Ko-Indexes in lexikaler Form
Begriffe für Dummheit
Als Literatur zum Thema verweise ich auf Istvan Rath-Vegh „Aus der
Geschichte der Dummheit" Kiepenheuer- Verlag, Leipzig und Weimar- Parkland
Verlag, Stuttgart 1985 und Alfred Zänker „Die vielen Gesichter
der Dummheit werden wir durch Schaden klug? Mut Nr. 391 März
2000 S 22-34)
Dummheit
„Herausbildung kollektiver Meinungsnormen" (15)
„Die eingefahrenen >Konzepte< der interreligiösen
und multikulturellen Dialogvertreter in Kirchen und Parteien haben in
jahrelanger Praxis ein reflexhaftes Denk- und Verhaltensschema erzeugt,
das der Öffentlichkeit in auffallender Eintönigkeit
immer wieder gleiche Szenarien islamischen Wohlverhaltens präsentiert."
(15)
„Versuche der kritischen Analyse werden in dieser Wahrnehmung
in der Regel mit Begriffen wie >Friedensstörung< oder
>Polarisierung< belegt, womit eine nachhaltige, gesellschaftliche
Stigmatisierung erreicht werden soll.
„Die hier entstandenen Wiederholungsmuster sind
durchgängig geprägt von monotonen, wenig aussagekräftigen
und nicht minder unbewiesenen Pauschalsätzen z. B.
>der Islam ist eine friedliche Religion<, er ist >kein
Monolith< - und versperren mit massiven Kritikverboten einen
emanzipierten Zugang zu diesem Faktor." (16)
Intelligenz
bevorzugt gegenüber „stereotypen Feindbildern und Zwangsmustern"
mit „unpräzisen Begriffsschablonen" die „distanzierteren Methoden
der Systemanalyse", die „den Vorzug besitzt, umfassendere und vor allem
genauere Betrachtungsebenen und Bewertungsmaßstäbe für
unsere Vergleichsobjekte bereitzustellen". (16)
„Das sind übergeordnete Beurteilungsebenen". (16)
Aufzusprengen ist mit Hilfe genauer arbeitender Denkmittel,
mithin systemanalytischer Arbeitsweisen, eine gesamtgesellschaftliche
Beschränkung, die durch eine vorherrschende Meinung entstanden
ist. Durch sie hat sich eine „für die Gesellschaft verbindliche
, weltbildartige Leitvorstellung verfestigt", die keine echten Begründungen
vorweisen kann, denn sie ist „eine Mischung aus Pauschalurteilen, Denkgrenzen
und Faktenmangel" und kann „keine konsensfähige Zukunftsperspektive"
anbieten. (16)
„Eine begrenzte, uniformierte Urteilsreichweite" kann
die Relevanz einer Sache nicht erfassen. Gemeint ist hier die Bedeutung
unkontrollierter, islamischer Zuwanderung. (19) Verursacht wird
solch ein Erkenntnisdefizit durch die „interkulturelle Meinungsherrschaft".
Die Alternative zu den Wahrnehmungseinschränkungen
und deren verheerender Folgen ist eine „faktenbedingte Widerspiegelung
von Realitäten, wie sie sich aus einer historischen und/oder logischen
Bedingungskette entwickelt haben".(20)
Der Autor betont, daß er dem Leser „weder die persönliche
Meinung des Verfassers, noch die herrschende Meinung einer zeitgerecht
opportunen Interessenrichtung" vermitteln will.(20)
Wir haben es hier also um eine bedeutsame Rückkehr
zur Objektivität gegen einen überschäumenden Subjektivismus
zu tun, dessen zersplitterten Meinungsrinnsale am Ende von
den Multi-Kulti-Funktionären geschickt in das große
Meer des Allmenschenmischasch gelenkt wird.
„Fortschrittsliberale Denkverflachung" (21)
„Ideologisch vereinheitliche Denkstarre". (21)
Bei der Zusammenfassung des dritten Teiles benutzt
Raddatz als eine, die Dummheit beschreibende Formel: „Fundamentaler
Bewußtseinsschwund" (21/22) . Der entsteht dadurch, daß
das Denken systematisch auf bestimmte Zeiten beschränkt wird. Das
nennt er „Zeitverengung". Z. B. verengt sich heute die Geschichte
Deutschlands auf die Jahre von 1933 - 45. Das wagt er gar nicht zu sagen,
aber er meint das. Da gibt es dann durchaus gutes Einzelwissen als Fachwissen,
aber je mehr diese Tendenz überwiegt, um so geringer wird die Fähigkeit,
in „übergreifenden Zusammenhängen" zu denken. (22)
Einseitige Beurteilung, z. B. der türkischen Bewegung
Milli Görüsh durch die bei uns staatlich und medienmäßig
bevorzugten Euro-Islamisten (Steinbach, Tibi, Pater W. Wanzura ,Orientalist
und Priester A. Khoury S. 405). Sie entsteht durch „kognitive Wahrnehmungsunfähigkeit",
die bedingt ist durch „liberale Sprachregelung", deren „Gut/Böse-Raster"
Fakten gar nicht erst wahrnimmt, weil die „Überflüssigen"
„auf Dauer ohnehin auszusondern sind". (S. 404/405) Das Islambild muß
z. B. immer positiv sein: „gigantische Brille der positiven Islamsicht".
Ist es negativ, dann ist es durch „Ängste der Bevölkerung"
verursacht. Man wechselt hier von der Sachebene auf die psychlogische
Ebene, genau so, wie man vorher auf die Ebene der politisch- Auszugrenzenden
wechselte, das aber, und darin liegt die prinzipielle Unredlichkeit
der Denkarbeit, wohlgemerkt schon auf der Ebene des Erkennens.
Diese Feststellung begründet dann die Erhöhung der einseitigen
Propaganda, die zur Entmündigung und Diskriminierung der Angesprochenen
führen muß. (S. 405)
Das ist ein Muster, das auch anderenorts angewandt wird, z. B. zur Zeit
gegenüber der Ablehnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin, gegenüber
den „Ängsten" der Grenzgebietbewohner zu Polen, die sich fürchten
vor Überflutung durch billige Arbeitskräfte nach Öffnung
der Grenze durch die EU. Das Muster schließt gleichberechtigtes
Argumentieren von vornherein aus, ist mithin totalitär und fördert
Dummheit [zurück]
Ulrich Woronowicz
S. 32
S. 32 Freuen Sie sich mit mir an den beiden gelungenen Begriffen
„ geschichtliche Weisheit Gottes" und „innere Ordnung des Menschen".
S. 64f , Muhammad , gesprochen wohl Mohammad, mit Betonung auf
..ha.. ist die fachlich und sprachlich korrekte Bezeichnung für
den Propheten, den wir Mohamed zu nennen pflegen.
S. 65
S. 73
S. 188
S. 197 f
Helmut Thielicke Theologsidche Ethik II/1 Nr. 1321ff S. 371
S. 88
S. 161
S. 494
„Christologie im Kontext einer >Theologie der Religionen<",
Hauptaufsatz in „Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts
Bensheim 5/ 98 , S. 83 f
Apg. 4,12