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"Im Zentrum des islamischen Rechts steht die Gewalt als Pflicht. Was man in Europa bislang nicht verstehen wollte oder konnte, ist die im Grunde einfache Dynamik einer vormodernen Ideologie, die sich religiös legitimiert. Sie besagt, daß Macht im Islam derjenige übernimmt, der den Geltungsanspruch des islamischen Rechts durchsetzt. Aus Sicht der europäischen Toleranzidee ergibt sich eine fatale Konsequenz: Die Muslime sind zur Anwendung von Gewalt nicht nur berechtigt, sondern um so mehr verpflichtet, je weiter sich die Geltung der Scharia ausbreitet."
Raddatz: Die fatalen Konsequenzen der europäischen Toleranz WELT 11.11.04

*

"Vereinfacht lässt sich sagen, ein Christ missbraucht seine Religion, wenn er Gewalt anwendet, und ein Muslim missbraucht seine Religion ebenso, wenn er Gewalt nicht anwendet."
«Islam bedeutet Frieden? Unfug!» Raddatz-Interview Weltwoche (CH) 16/04

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grundgesetz Artikel 20, Abs. 4:
Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Es liegt genug Wissen über den Islam, seine Gewaltgeschichte, seine ideologische Unveränderbarkeit und die Ausrichtung der modernen, letztlich gleichermaßen gewaltorientierten Islamvertretungen vor. Schon längst hat sich die Einrichtung des 'Dialogs' als groß angelegte Veranstaltung der organisierten Täuschung herausgestellt. ... Niemand in verantwortlicher Stellung kann im Zeitalter der Transparenz für sich Unwissenheit in Anspruch nehmen und wird sich angesichts der gesellschaftlichen Wichtigkeit des Themas vorhalten lassen müssen, vorhandene Informationen aus Gründen abzulehnen, die nicht das Interesse derer im Auge haben, von denen er gewählt ist."
Raddatz: Von Allah zum Terror?, S. 277

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Toleranz gegenüber menschenfeindlichen Ideologien und menschenverachtenden Handlungen ist für evangelische Christinnen und Christen ausgeschlossen. Die evangelische Kirche widersetzt sich politischem Extremismus, Rassismus und Antisemitismus. Sie wendet sich gegen politische und religiöse Praxis, die Menschen an Leib und Seele Schaden und Leid zufügt. Sie lehnt insbesondere jede religiöse Begründung von Diskriminierung ab."
                       EKD-Synode 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Immanuel Kant & die Religion
Ihren vollkommensten Ausdruck fand die Vorstellung einer über allen Einzelreligionen stehenden Vernunftreligion bei Kant:
"Da es nur eine Wahrheit gibt und geben kann, kann es für Kant eigentlich auch nur »eine einzige für alle Menschen und in allen Zeiten gültige Religion« geben, wohl aber »verschiedene Glaubensarten an göttliche Offenbarung und deren statutarische Lehren«, »unter denen soviel wir wissen, das Christentum die schicklichste Form ist«. Von einer »Verschiedenheit der Religionen« zu sprechen sei daher ein »wunderlicher Ausdruck!, gerade als ob man auch von verschiedenen Moralen spräche«."
                              Aloysius Winter

 

 

 

Kategorischer Imperativ
§ 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft:
"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."


Folgerung:
"Reine Vernunft ist für sich allein praktisch, und gibt (dem Menschen) ein allgemeines Gesetz, welches wir das Sittengesetz nennen." Anmerkung: "Das vorher genannte Faktum ist unleugbar."


§ 8 Lehrsatz IV:

"Die Autonomie des Willens ist das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten."        
                    Immanuel Kant (1788)

 

 

UND SIE BEWEGT SICH DOCH
Katholische Kirche und EKD verkünden das Ende der Blauäugigkeit gegenüber dem Islam


"Wenn alle Institutionen zweifelhaft
oder sogar anrüchig werden und man
selbst in den Kirchen nicht etwa für die Verfolgten,
sondern für die Verfolger öffentlich beten hört, dann
geht die sittliche Verantwortung auf den Einzelnen über."
Ernst Jünger, Der Waldgang.

 

Über viele Jahre konnte der zeitgeistkritische Christenmensch ziemlich verzweifeln ob der Blauäugigkeit, mit welcher der Klerus beider christlichen Kirchen die Ausbreitung des Islam in Deutschland und Europa nicht etwa heldenmütig bekämpfte, sondern im devoten Geist vorauseilender Dhimmitude auch noch tatkräftig förderte. Da küßte Pontifex Johannes Paul II. demonstrativ den gewaltverherrlichenden Koran und ließ in Assisi die Kreuze verhängen, als Vertreter anderer Religionen zum interreligiösen Gebet anreisten. Die evangelischen Kirchen in Deutschland predigten ohnehin seit Jahr und Tag eine fast schrankenlose Toleranz gegenüber jedweder islamischen Zumutung, wobei die Rituale des sogenannten "Dialogs" bisweilen Züge einer Ersatzreligion für die feste Burg des christlichen Glaubens annahmen, Stichwort "Chrislam". Immer wieder für ein Kopfschütteln gut war dabei das fast schon pathologische Ausblenden der totalitären Züge des Islam bei gleichzeitiger Beschwörung von dessen angeblicher Toleranz - begleitet von trotzigem Schweigen zu den Christenverfolgungen in den islamischen Ländern. Mit anderen Worten, hier wurde - aus Gründen, die noch der Erklärung harren - ein niedlicher Pseudo-Islam fern aller historischen Realität gebastelt und so der Mehrheitsbevölkerung Sand bezüglich des langfristigen Gefahrenpotentials der muslimischen Zuwanderung in die Augen gestreut. Kein Moscheebauprojekt in Deutschland, wo nicht die örtlichen Seelsorger im Verein mit der politisch-medialen Zuwanderungslobby zu den eifrigsten Unterstützern solcher islamischer Machtdemonstrationen gehörten - in aller Regel gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung. Dieser Mehrheitswille läßt sich aus den nüchternen Zahlen einer Allensbach-Studie aus dem Jahre 2004 erahnen:

"Den Islam empfinden die Deutschen als fremd und bedrohlich. Dies zeigt das Ergebnis einer Frage nach den Assoziationen, die das Wort 'Islam' bei den Befragten hervorruft. Ganz an der Spitze der Aussagen stehen 'Unterdrückung der Frau' (93 %), 'Terror' (83 %), 'fanatisch, radikal' (82 %), 'rückwärtsgewandt' (66 %). Die ersten positiven Assoziationen erscheinen, von weniger als der Hälfte der Bevölkerung genannt, an sechster und siebter Stelle: 'Gastfreundschaft' (45 %), 'bedeutende kulturelle Leistungen' (39 %). ... Ganz am Schluß der Liste, von 6 % angeführt, erscheint schließlich die Assoziation 'sympathisch'. Statt dessen prägt das unbestimmte Gefühl einer ständigen Bedrohung die Atmosphäre."

Was sagt es über den Zustand eines demokratischen Gemeinwesens aus, wenn die Verant-wortlichen in Politik, Kirchen und Medien trotz solch gravierender Vorbehalte und entgegen dem Rat maßgeblicher Experten die Islamisierung der Gesellschaft unverdrossen weiter fördern oder fahrlässig zulassen, ohne jeden Respekt gegenüber dem "Volk" als Souverän, dem die Mitentscheidung über seine eigene Zukunft zynisch entzogen wird? Der kritische Islamwissenschaftler Hans-Peter Raddatz sieht hier den drohenden Übergang der Mehrheitsdemokratie zur Diktatur der Minderheitsinteressen am sich verdüsternden Horizont der Gesellschaft aufziehen und spricht in diesem Zusammenhang von der Verantwortungslosigkeit der deutschen Eliten, welche der islamischen "Kommando-Religion" die einmalige Chance "für den Zugang zu den nationalen Ressourcen unter Täuschung der Basis-Bevölkerung verschafft".

Das Interessante an obigen Zahlen ist freilich, daß die Deutschen sich gar nicht so sehr täuschen lassen, wie die politisch-mediale Klasse offenbar hofft. Denn das überraschendste Ergebnis der Allensbach-Studie ist nicht das Ergebnis als solches, sondern daß sich das Islambild der Bevölkerung unbeeindruckt von jahrzehntelanger Dauerpropaganda mitnichten an dem Konstrukt eines angeblich durch und durch friedlich-tolerant-sympathischen Pseudo-Islam orientiert, wie er ihr von den Herrschenden vorgegaukelt wird. Ganz im Gegenteil. Wie die obigen Zahlen zeigen, folgt das Islambild der Bevölkerung viel eher jenen Konturen, wie sie kritische Mahner wie Hans-Peter Raddatz, Alice Schwarzer, Bassam Tibi oder der Grüne Rolf Stolz von einer politischen Religion zeichnen, deren Ideologie auf einer eigenen Staatsordnung beruht und die darauf abzielt, die Rechtsordnung zu beseitigen, der sie ihre freie Ausübung im "Land des Unglaubens" verdankt, während sie ihrerseits Religionsfreiheit im eigenen Machtbereich kategorisch ablehnt.

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Allerdings bekam die geschlossen proislamische Haltung der "Eliten" nach dem aus dem Koran begründeten Massenmord vom 11. September 2001 zunehmend Risse, die sich mit jedem neuen Anschlag vertieften, der von muslimischen Zuwanderern verübt wurde, die sich ausdrücklich auf das Vorbild ihres "bewaffneten Propheten" beriefen, wie Machiavelli Mohammed nannte, den einzigen Gründer einer Weltreligion, der als Gewalttäter in die Geschichte einging und die Anwendung von Gewalt gegen Andersdenkende religiös legitimierte.

Erstaunlicherweise waren die ersten großen Institutionen, die eine vorsichtige Revision ihres bis dahin blauäugig positiven Islambildes einleiteten die christlichen Kirchen, wenn auch zunächst eher auf die oberen Ränge der Hierarchien beschränkt. So fand der damalige Präses der EKD-Synode, Jürgen Schmude, in der WELT vom 28. Februar 2002 deutliche Worte, nachdem der allseits hofierte Islamistenführer Nadeem Elyas für seine Klientel erklärt hatte: "Die Pflicht, . . . einen islamischen Staat zu errichten, ist Konsens." Schmude stellte erheblichen Klärungsbedarf fest, denn: "In Deutschland hat man die Erfahrungen mit Gruppierungen nicht vergessen, die sich nur so lange an die Verfassung halten, bis sie die Mehrheiten zu ihrer Abschaffung erreicht haben." Das waren durchaus neue Töne, die sich nun häuften. So wunderte sich EKD-Ratsmitglied Robert Leicht im November 2002, "mit welcher Geduld wir den Anspruch von geistlicher und weltlicher Herrschaft des Islam hinnehmen" und Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wandte sich gegen einen allzu simplen Toleranzbegriff und mahnte eine auf geschärftem christlichen Profil basierende Wahrheitsperspektive an, ohne die jeder Dialog mit dem Islam nutzlos sei.

Aber auch der schwerfällige Supertanker Katholische Kirche - die älteste, seit nunmehr fast 2000 Jahren durchgehend existierende Institution der Welt - leitete noch unter der Ägide Papst Johannes Paul II. einen allmählichen Kurswechsel ein. Im Oktober 2003 wurden zwei nahe beieinanderliegende Ereignisse mit hoher Symbolkraft von Eingeweihten als Aufkündigung des Waffenstillstandes mit dem Islam durch die römische Kirche gedeutet.

Am 18. Oktober 2003 veröffentlichte die Zeitschrift "La Civiltà Cattolica" einen überraschend scharfen Artikel über die Lebensbedingungen der Christen in muslimischen Ländern. Die von einer Jesuitengruppe in Rom herausgegebene "Civiltà " ist eine ganz besondere Publikation, da sie als inoffizieller Kanal zur Lancierung vatikanischer Meinungen dient, die noch nicht an die große Glocke gehängt werden sollen: Jeder ihrer Artikel wird nämlich vor der Veröffentlichung vom Außenminister des Vatikans gegengelesen. Durch dieses presti-geträchtige Magazin verurteilte also der Vatikan mit ungewohnter Schärfe die Unterdrük-kung der Christen in den islamischen Ländern. Die zentrale These des von Giuseppe De Rosa S.I. gezeichneten Artikels "I cristiani nei paesi islamici" (Die Christen in den Ländern des Islam | engl. Version) lautete, daß "der Islam in seiner gesamten Geschichte ein kriegerisches Eroberergesicht gezeigt" habe; daß "Europa für fast ein Jahrtausend unter konstanter Bedrohung durch den Islam gestanden" habe, und daß das, was von der christlichen Bevölkerung in den islamischen Ländern übrig geblieben ist noch immer Opfer "andauernder Diskriminie-rung" mit Episoden blutiger Verfolgung sei.

Nur drei Tage nach dieser Veröffentlichung setzte der Vatikan dann auch ein offizielles Signal, als zur allgemeinen Überraschung Erzbischof Michael Louis Fitzgerald, der Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, nicht unter jenen Würdenträgern war, die am 21. Oktober 2003 in den Kardinalsrang erhoben wurden. Die gängige Erklärung lautete, dies sei Fitzgeralds exzessiv sanftmütiger Haltung gegenüber dem Islam geschuldet.

Der neue Papst Benedikt XVI. machte den vorsichtig eingeleiteten Kurswechsel dann noch einmal mit seiner Weigerung deutlich, im August 2005 eine Kölner Moschee zu besuchen. Statt dessen festigte er das Band zu den Juden durch den Besuch einer Synagoge.

Im gleichen Herbst des vatikanischen Umsteuerns weckte auch evangelischerseits die Wahl des Berliner Bischofs Wolfgang Huber zum Ratsvorsitzenden der EKD am 5. November 2003 Hoffnungen bei all jenen, die in der unkritischen Islamförderung durch die Kirchen ein Unglück für unser Land und insbesondere für das Lebensglück zukünftiger Generationen sehen. Diese Hoffnungen nährten sich nicht zuletzt aus dem Umstand, daß Huber in der Nachrüstungsdebatte Anfang der 1980er Jahre zu den profiliertesten Kritikern einer Politik gehörte, die unumkehrbare Weichenstellungen vornimmt, obwohl die Mehrheit der Bevöl-kerung die Risiken eines solchen Kurses als zu hoch einschätzt und fatale Zukunftsfolgen befürchtet. Der damalige Dozent für Sozialethik an der Universität Marburg äußerte 1983 auf einem hochkarätig besetzten Symposium über Zivilen Ungehorsam im Rechtsstaat: "Der Staat überschreitet die ihm gesetzte Grenze, wenn er Entscheidungen zuläßt oder trifft, in deren Folge irreversible Eingriffe in die Lebensmöglichkeiten künftiger Generationen vorgenommen und deren Lebenschancen in unaufhebbarer Weise beeinträchtigt werden."

Die Parallelen zwischen damals und heute sind schlagend, auch wenn sie unterschiedliche Ebenen betreffen:
War es in den 1980er Jahren das nackte physische Leben, welches durch die Raktenstationierung bedroht war, so sehen heute viele durch die fortschreitende Islam-Installation den geistig-kulturellen Fortbestand des Gemeinwesens auf Basis seiner aus der Kulturentwicklung des christlichen Abendlandes gewachsenen Identität bedroht. Nicht zuletzt ist es der Bestand des aus jahrhundertelangen blutigen wie geistigen Kämpfen als Erbe der Aufklärung gewachsenen demokratischen Verfassungsstaates, der schleichend zur Disposition gestellt wird, indem häppchenweise Elemente der Scharia ins deutsche Rechtssystem einsickern.
Nun sage niemand, durch die Islam-Installation sei ja "nur" Kultur und Staatsordnung bedroht, bei der Raketenstationierung dagegen das biologische Leben. Gerade die Fähigkeit, sich für "höhere", sowohl immaterielle wie überindividuelle Werte einzusetzen gehört zu den nobelsten Unterscheidungsmerkmalen von Mensch und Tier und macht wohl auch einen wesentlichen Unterschied zwischen einem kultivierten und einem unkultivierten Geist aus. #

Aber vergleichen wir nur die Problematik des Mehrheitswillens: Die öffentliche Debatte der Stationierungsgegner bezog ihre Legitimation seinerzeit ganz entscheidend aus der mehr-heitlichen Ablehnung der Raketenstationierung durch die deutsche Bevölkerung, nämlich "daß 75 Prozent der Bürger nach allen Meinungsumfragen diese Atomwaffen ablehnen, die Regierung also in dieser Sachfrage keine Mehrheit hat".

Bezüglich der Islam-Installation sind exakte Zahlen nur indirekt zu bekommen, da sie bezeichnenderweise ein Tabu vor der Kenntnisnahme durch den mündigen Bürger schützt. Indirekt läßt sich aber bei konservativer Schätzung davon ausgehen, daß die Ablehnung hier noch deutlich höher liegt, nämlich bei ca. 90%. Einmal abgesehen von dem schon genannten Befund, daß glatte 94% der repräsentativ Befragten den Islam nicht als sympathisch einstuften, ist schon seit 1993 bekannt - dem ominösen Jahr, in welchem die Ablehnung weiterer Zuwanderung erstmals die 50%-Marke überschritt, also Mehrheitskonsens wurde -, daß 90% der Befragten schon damals den weiteren Zuzug von nicht-EU-Arbeitnehmern eingeschränkt sehen wollten, womit wohl im Wesentlichen die muslimische Zuwanderung gemeint war. Eine Allensbach-Studie aus dem Jahre 2002, welche die überwältigende Ablehnung des rot-grünen Zuwanderungsgesetzes durch die Bevölkerung dokumentierte, stellte fest, daß "das allgemeine Meinungsklima in der Bundesrepublik zum Thema Zuwanderung ganz und gar ablehnend ist" , was viel mit der mangelnden Integrationsbereitschaft der Muslime und ihrer tendenziellen Feindschaft gegenüber "westlichen Werten" und Institutionen zu tun haben dürfte.

Mit anderen Worten: Die Situation ist bezüglich einer weiteren Installation islamkonformer Lebensverhältnisse noch weitaus dramatischer als seinerzeit bei der Raketenstationierung. Und obwohl die Regierung in dieser Sachfrage noch viel weniger eine Mehrheit hat als damals, gibt es keinerlei Anzeichen für einen einschneidenden Kurswechsel, von massiven Protesten durch eine alarmierte Öffentlichkeit ganz zu schweigen - ihr werden ja auch entscheidende Informationen gezielt vorenthalten, statt eine ergebnisoffene Diskussion und Meinungsbildung zu fördern.
Dieser Zustand kann dramatische Folgen zeitigen, von denen die vielbeschworene Politikverdrossenheit noch eines der kleineren Übel ist. Viel schlimmer ist die generell abnehmende Loyalität zum Gemeinwohl als Folge einer gegen das Mehrheitsinteresse gerichteten Politik, die umso fatalere Konsequenzen zeitigen muß, je stärker Sachfragen wie die muslimische Zuwanderung unter ideologischen Vorgaben abgehandelt werden bei gleichzeitigem Diskussionsverbot für die betroffene Bevölkerung, die gleichwohl deutlich ahnt, was ihr hier blüht.

Fakt ist, daß die Deutschen mehrheitlich den Islam als fremd und bedrohlich empfinden. Aus einem solchen Bedrohungsempfinden heraus wurde vor 25 Jahren die Frage des zivilen Ungehorsams und auch des Widerstandsrechts nach Artikel 20 des Grundgesetzes gestellt. Der heutige Ratsvorsitzende der EKD sah damals im zivilen Ungehorsam mit dem Ziel der Erhaltung des Gemeinwesens "eine Form des aktiven Verfassungsschutzes". Huber begründete damals sogar eine ethische "Pflicht zum Ungehorsam", wenn der Staat seine Grenze überschreitet und sich nicht mehr am Gemeinwohl orientiert. Den Ernstfall für die ethische Berechtigung zivilen Ungehorsams sah Huber dann gekommen, wenn "mit guten Gründen behauptet werden kann, daß durch staatliche Entscheidungen schwere Gefahren für künftiges Leben heraufbeschworen werden, wenn nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, daß diese staatlichen Maßnahmen unumgänglich sind, um weit größere Gefahren zu vermeiden, und wenn die Opposition dagegen anders kein angemessenes Gehör findet". Ähnlich sah dies seinerzeit auf dem gleichen Symposium übrigens Jürgen Habermas, als Gewissensentscheidung nämlich, in welcher nur noch "drastische Mittel" zu Verfügung stehen, "um die Bereitschaft zur erneuten Beratung und Willsensbildung über eine geltende Norm oder eine rechtskräftig beschlossene Politik zu wecken und den Anstoß für die Revision einer [parlamentarischen] Mehrheitsmeinung zu geben". Eine solche Norm könnte heute die gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit erfolgte Weichenstellung in Richtung einer sogenannten "multikulturellen" Gesellschaft sein, welche ohne demokratische Willensbildung auf Druck der großen Koalition von Großindustrie und kultureller Linker erfolgte.

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Wer in der Wahl Bischof Hubers zum Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirchen Deutschlands am 5. November 2003 ein hoffnungsfroh stimmendes Zeichen sah, wurde nicht enttäuscht. Schon das erste Amtsjahr des neuen Kirchenführers zeigte, daß er nicht bereit war, sich von den Islamfunktionären länger an der Nase herumführen zu lassen und in dieser Frage auch mit der katholischen Seite im Gespräch stand. So meldete die ZEIT am 1. April 2004, drei Wochen nach den aus dem angeblich "wahren" Islam begründeten Terroranschlägen von Madrid: "Die Oberhäupter der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland, Bischof Huber und Kardinal Lehmann, sprechen in einem neuen Ton der Dringlichkeit von einer 'Bringschuld des Islams', endlich die Bejahung von Rechtsstaat und Demokratie ohne 'taktische Anpassungsmanöver' erkennbar zu machen."

Eine Woche später meldete der Evangelische Pressedienst, Huber vermisse "ein positives Signal führender islamischer Geistlicher" für den Wert jedes Menschenlebens. Im Augenblick sei nicht zu erkennen, dass das Tötungsverbot gemeinsame Überzeugung aller monotheistischen Religionen sei! Das war starker Tobak, der noch durch die Forderung ergänzt wurde, man müsse endlich den "Scheindialog" überwinden. Hiermit war ganz offenbar jene "groß angelegte Veranstaltung der organisierten Täuschung" (Raddatz) namens "Dialog mit dem Islam" gemeint, deren Katechismus aus der Betonung des "Gemeinsamen" der Religionen, der Relativierung des Wahrheitsanspruchs der christlichen Religion auf Basis einer generellen Fremdorientierung sowie der Fiktion eines durch und durch toleranten Islam bestand bei gleichzeitiger Sanktionierung logischer Einwände gegen dieses Konstrukt.

In einem am 22. November 2004 veröffentlichten FOCUS-Interview definierte Huber dann die Grenzen des Dialogs mit dem Islam härter und enger denn je. Zentrale Aussagen waren, "dass interreligiöse Schummelei nicht mehr funktioniert", daß wir "als Christen keinen Grund (haben) zu sagen, wir würden uns zum gleichen Gott wie die Muslime bekennen" sowie die Forderung, jetzt die "eigene Verwurzelung im christlichen Glauben zu klären und selbstbewußt öffentlich zu vertreten". Damit war der gesamte bisherige "Dialog"-Katechismus infrage gestellt inklusive seiner theologischen Zumutungen.

Ein Jahr später nahm die neue Linie eine feste, institutionalisierte Form an, als die Synode der EKD Anfang November 2005 in Berlin mit dem Schwerpunktthema "Tolerant aus Glauben" tagte, um sich als Hort des Widerstandes gegen jeglichen Extremismus in der deutschen Gesellschaft zu positionieren. Die Delegierten aus 23 Landeskrichen brachten in ihren Diskussionsbeiträgen den deutlichen Wunsch nach einem Abschied vom alles tolerierenden Freundschaftskonsens zwischen den Religionen zum Ausdruck, eine unüberhörbar neue Botschaft in Richtung Islam. "Evangelische Kirche verkündet Ende der unbegrenzten Toleranz - Scharfe Abgrenzung zum Islam gefordert" titelte denn auch die WELT am 11. November. Das mit 120 Laien und Theologen besetzte Kirchenparlament nahm schließlich als das höchste beschlußfassende Organ für die 25,8 Millionen deutschen Protestanten einstimmig(!) eine "Kundgebung" an, welche sich ausdrücklich gegen einen Toleranzbegriff wendet, der zu einer unzulässigen Vermischung der Religionen und damit auch zu einer Relativierung des christlichen Wahrheitsanspruchs führe: "Toleranz gedeiht nur im Zutrauen zur Wahrheit Gottes und nicht in ihrer Relativierung. Christinnen und Christen sind nicht tolerant, obwohl sie fest glauben, sondern weil sie fest glauben", heißt es in der Kundgebung, und: "Die Gewissheit der eigenen Identität ist die Grundlage einer gelingenden Begegnung mit Andersdenkenden", zu welcher die "Profilierung der Unterschiede" unverzichtbare Voraussetzung sei. Damit nahm ein halbes Jahr nach der Wahl des deutschen Papstes Benedikt XVI. auch die Evangelische Kirche in Deutschland den Kampf gegen den Relativismus auf, zu welchem Joseph Ratzinger die katholischen Christen schon in seiner Funktion als oberster Glaubenshüter aufgerufen hatte.

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Die Diskussion der EKD-Synode eröffnet hatte der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber mit einem wegweisenden Referat, das auch auf ein zentrales Mißverständnis der bisherigen Dialogpraxis hinwies. Immer deutlicher zeige sich nämlich, so Huber, daß ein Toleranzverständnis nicht mehr weiterführe, das in Anknüpfung an die Lessingsche Ringparabel die Konfrontation mit der Wahrheitsfrage aus dem Dialog ausklammere. Was war damit gemeint?
   Wegen der zentralen Bedeutung von Lessings "Nathan" für die Ideologie des interreligiösen "Dialogs", lohnt ein genauerer Blick auf jenes Bühnenstück, das wie kein anderer Beitrag der literarischen Aufklärung in der Gegenwart wirksam ist.

"Nathan der Weise" - eine Ikone postmoderner Toleranz
Wann immer heute von Toleranz die Rede ist, tritt Lessings "Nathan" unsichtbar in den Raum des Gesprächs. Lessing hatte seine Gedanken im Zuge eines hohe Wellen schlagenden theologischen Streits mit dem Hamburger Pastor Goeze entwickelt. Sein Kerngedanke war, daß ein "garstig breiter Graben" die "zufälligen Geschichtswahrheiten" (wie die Offenbarungen Heiliger Schriften) von den "notwendigen Vernunftwahrheiten" trennt. Als seine Gegner ein zeitweiliges Verbot wissenschaftlicher Veröffentlichungen erwirkten, gab Lessing ("Ich muß versuchen, ob man mich auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater wenigstens, noch ungestört will predigen lassen") eine literarische Antwort in Gestalt des "Nathan" (1779). Im Jahr darauf faßte er seine Religionsphilosophie in der Abhandlung über "Die Erziehung des Menschengeschlechts" zusammen: Die geschichtlichen Religionen sind zeit- und kulturbedingte Läuterungsstufen der Menschheit auf dem Wege der sittlichen Höherentwicklung zu einer allgemeinmenschlichen Vernunftreligion. Nicht heilige Schriften sind das ursprüngliche Geschenk Gottes an den Menschen, sondern die Vernunft, in welcher schon alle Voraussetzungen einer "natürlichen" Religion enthalten sind, insbesondere das Vermögen, Gut und Böse zu unterscheiden, weswegen am Ende des Läuterungsprozesses der Menschheit "der Mensch das Gute tun wird, weil es das Gute ist", und nicht, weil ihm irgendwelche Belohnungen im Diesseits oder Jenseits in Aussicht stehen.

Diese Idee von der Gleichwertigkeit der Religionen und ihrer Funktion als schließlich überflüssig werdendes Erziehungsmittel zur höheren Moralität steht im Zentrum des "Nathan". Den Kern des Lehrgedichts stellt die berühmte Ringparabel dar, welche die tiefe, gemeinsame Wahrheit der drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam versinnbildlichen soll. Sultan Saladin hatte Nathan gefragt, welche der drei Religionen ihm denn "am meisten eingeleuchtet" habe, da doch nur eine die wahre sein könne. Darauf erzählt Nathan ein "Märchen":

In einem orientalischen Fürstenhaus wird seit Generationen ein magischer Ring, der "vor Gott und Menschen angenehm zu machen" vermag, vom Vater auf den Lieblingssohn vererbt, der damit auch das Thronfolgerecht erlangt. Schließlich kommt der Ring auf einen König, der sich nicht zwischen seinen drei ihm gleichlieben Söhnen zu entscheiden vermag und in schwachen Stunden jedem von ihnen schon einmal heimlich den Ring versprochen hat. Um sich vor einer endgültigen Entscheidung zu drücken, läßt er zwei dem Original äußerlich derart täuschend ähnliche Kopien herstellen, daß er selber nicht mehr weiß, welcher der magische Ring ist. Als er seine Stunde kommen fühlt, ruft er jeden Sohn einzeln zu sich, gibt jedem einen Ring und seinen Segen und stirbt, ohne die Thronfolge geregelt zu haben. Jeder der drei Prinzen glaubt sich nun zur Herrschaft berechtigt und es hebt ein großes Gezanke an, als sie die Bescherung erkennen, denn "der rechte Ring war nicht erweislich", und an Saladin gewendet fährt Nathan fort: "fast so unerweislich, als uns itzt der rechte Glaube". Damit wird auch dem Sultan die Bedeutung der drei Ringe in dem Märchen klar: Jeder steht für eine der drei Religionen. Die Söhne verklagen sich nun und ziehen vor den Richter. Der sieht, daß nach dem Augenschein hier nichts zu entscheiden ist. Zugleich bemerkt er, daß die Wunderkraft, beliebt zu machen, offenbar nicht existiert, da sonst einer der Prinzen von seinen beiden Brüdern geliebt und so als Träger des echten Rings erwiesen würde. Daraus schließt der Richter, daß keiner der drei Ringe (=Religionen) der magische Ring ist. Der sei wahrscheinlich verloren gegangen. Der Richter rät nun den Prinzen, so zu tun als ob: Jeder hat ja seinen Ring vom Vater bekommen und "so glaube jeder sicher seinen Ring den echten". Die magische Kraft des Ringes könne sich dann im ethisch-religiösen Wettstreit erweisen:

"Es eifre jeder seiner unbestochnen,
von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
mit innigster Ergebenheit in Gott zu Hilf!
Und wenn sich dann der Steine Kräfte
bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen,
als ich und sprechen."

Die Geschichte von den drei Ringen ist natürlich ein großartiger Schwindel, sehr effektvoll und zur Täuschung leichtgläubiger Zeitgenossen bestens geeignet, aber darum eben doch ein Taschenspielertrick, der dem staunenden Publiko ein X für ein U vormacht. Der Trick besteht darin, daß der echte Ring unbemerkt in die Tasche des Zauberkünstlers wandert, der dann - "Simsalabim" - drei gleich aussehende Replikate produziert und behauptet, man müsse nur fest genug an die Wunderkraft glauben und Gutes tun, dann würden sich alle drei ("Und wenn sich dann der Steine Kräfte bei euern Kindes-Kindeskindern äußern") in echte Zauberringe verwandeln. Das erinnert an moderne Mentalakrobatik nach dem Motto "Erfolg durch positives Denken" - was übrigens schon bei dem notorisch hochverschuldeten Spieler Lessing nicht funktioniert hat...

Der auf Lessings Ringparabel fußende Toleranzbegriff hat als entscheidende Voraussetzung die Auffassung einer inneren Wertlosigkeit der Religionen. Das macht die Parabel so wertvoll für jene Art interreligiösen "Dialog", welcher den absoluten Wahrheitsanspruch des Islam großzügig toleriert und den des Christentums bescheiden relativiert. Welche Rolle diese Sicht auf die Wahrheitsfrage für die am "Dialog" teilnehmenden Muslime spielt, wird noch zu erörtern sein. Bei Lessing jedenfalls ist der echte Ring (="wahrer" Glauben) verloren gegangen, alle drei zur Entscheidung stehenden Religionen (Ringe) sind gleichwertig - und zwar vor allem: gleich wertlos. Sie besitzen nicht aus sich heraus die "vor Gott und Menschen angenehm" machende Kraft, vielmehr muß diese erst von außen in sie hineinprojiziert werden. Eine über die Empfehlungen zur ethischen Lebensführung hinausgehende innere Wahrheit einer bestimmten Religion gibt es nicht, und der Erweis eines Vorzugs der einen vor der anderen wird als Endresultat des ethisch-religiösen Wettstreits auf Erden auf den Sanktnimmerleinstag vertagt, ans buchstäbliche Ende der Geschichte.

In dieser Art höherer Empirie drückt sich die der Aufklärung wesentliche Ansicht aus, daß der eigentliche Wesenskern jeder Religion - die Offenbarung einer "höheren" Wahrheit - bloß eine zeitbedingte, innerhalb einer bestimmten Kultur erwachsene Phantasmagorie sei, "an sich zufällig" und den notwendigen Vernunftwahrheiten "außerwesentlich" (Kant ). Religiöser Glaube ist aus dieser Sicht keine Heilslehre, welcher eine (allein-) "seligmachende" Kraft innewohnt, wie sie die großen Religionen als Wege zur Erlösung anbieten, sondern reduziert sich wie bei Lessing auf bloße Moralität, die als Volksausgabe von Kants kategorischem Imperativ etwa lautet: "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg auch keinem andern zu". Als gemeinsame Schnittmenge auf dem Gebiete der Ethik schrumpft dan das "Gemeinsame der Religionen" auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen, der zugleich Religion überflüssig macht, denn das Vermögen, Gut und Böse zu unterscheiden als Ausgangspunkt aller Moral ist nach aufklärerischer Auffassung dem Menschen ja schon Kraft seiner Vernunft in die Wiege gelegt. "Es rettet uns kein höheres Wesen" kann denn auch als Kerngedanke aufklärerischen Geistes in Bezug auf die Religion angesehen werden.

"Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!" - Auch diese in der Hymne des internationalen Proletariats zum Ausdruck gebrachte Hoffnung auf eine Selbsterlösung des Menschen und der Menschheit war unmittelbarer Ausfluß des aufklärerischen Vernunftoptimismus, der sich - die alte Metaphysik über Bord werfend - in kruder Faktengläubigkeit und technischem Machbarkeitswahn als Kennzeichen des neuzeitlichen Geistes niederschlug und schließlich in den Neuglauben an eine "ingenieurmäßige" Konstruierbarkeit von Mensch und Gesellschaft ohne jeden Gottesbezug mündete. Der Glaube an Gott wurde in der liberalen Theorie durch den Glauben an die "unsichtbare Hand" des Marktes abgelöst, welche im Gewährenlassen des freien Spiels der Kräfte Wohlstand für alle Menschen und Nationen hervorbringen würde. Was in der harten Wirklichkeit dann entstand, war aber nur ein gnadenloser Kampf ums Dasein mit nie zuvor gekanntem Massenelend. Die Hoffnungen, die sich nach diesem Fehlschlag auf neue menschengemachte Heilslehren wie Kommunismus und Faschismus richteten, wurden genauso bitter enttäuscht und mit Hekatomben von Opfern bezahlt. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung steht heute ein neuer Skeptizismus, der selbst die alten Ideale von Freiheit, Gleichheit und individueller Selbstverwirklichung kritisch hinterfragt, weil die säkularen Ansätze zur kollektiven Sinnstiftung versagt zu haben scheinen, auch die Idee der Nation. Ergebnis ist eine große Ratlosigkeit - und die "Wiederkehr der Religionen" am Beginn des 21. Jahrhunderts.

In diesem Zusammenhang, wo Religion wieder als eine realistische Option erscheint und man genauer hinschaut, wird dann auch die Behauptung von den tiefen Gemeinsamkeiten der Religionen mit einmal fragwürdig. Es komme viel mehr darauf an, hört man nun etwa, daß im Sinne von Michael Walzers "Zivilisierung der Differenz" die verschiedenen Religionen die Andersartigkeit der "konkurrierenden Religionen" respektieren müßten. Mit anderen Worten: Die Ablehnungskomponente als integrales Wesensmerkmal von Toleranz (s.S. #) muß zunächst herausgearbeitet werden, um überhaupt feststellen zu können, ob der Schritt zur "qualifizierten Akzeptanz" des eigentlich Abgelehnten vollzogen werden kann, woraus dann erst echte Toleranz entstehen kann. Bedingung hierfür ist Wechselseitigkeit, daß also auch die "Gegenseite" meiner Religion einen Wert beimißt, und zwar derart, daß sie nicht nur davon absieht, diese zu verfolgen, sondern vielmehr das Gedeihen dieser anderen Lebensweise aus Respekt vor deren Wert und universalen Heilswirksamkeit fördert. Das ist die Grundbedingung von religiösem Pluralismus, und jeder interreligiöse Dialog ist ohne Erfüllung dieser Voraussetzung sinnlos.

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Einer der ersten evangelischen Kirchenführer, der in diesem Sinne beherzt an die Öffentlichkeit trat, war der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker. In einem Vortrag über "Christentum und Islam" wandte er sich im Mai 2003 gegen einen allzu simplen Toleranzbegriff. Ein den Pluralismus ernst nehmendes Konzept des christlich-islamischen Dialogs solle nicht nach Gleichem suchen, sondern die Differenzen der Religionen betonen und sogar jeder Religion ihren alleinigen Anspruch auf die Wahrheit zuerkennen. Erstmals tauchte hier auch von maßgeblicher protestantischer Seite Kritik an dem auf Lessing fußenden Toleranzmodell auf, nach welchem der Kern aller Religionen das Streben nach Liebe sei und die Unterschiede als "nur" kulturell bedingt vernachlässigbar seien. Ein wesentlicher Anspruch jeder Religion sei der auf das Wahrheitsmonopol, erklärte Bischof Steinacker, weswegen Lessings Toleranzkonzept mit dem Pluralismus liberaler Gesellschaften nicht vereinbar sei, denn: Toleranz bedeutet nicht die Verwischung von Unterschieden, sondern das "Erdulden" von etwas, was man mit guten Gründen ablehnt. Es komme also darauf an, daß die Religionen die Andersartigkeit der "konkurrierenden Religionen" respektierten.

Diesen Gedankenfaden griff Bischof Huber im Herbst 2005 auf, als er als oberster Repräsentant der evangelischen Christen in Deutschland bewußt gegen den Zeitgeiststachel löckend die provozierende Frage stellte, "ob Lessing wirklich einen weiterführenden oder gar für die Gegenwart tragfähigen Beitrag zum Toleranzproblem geleistet hat". Ist das Bild der drei Ringe, unter denen der wahre (=Glaube) sich nicht mehr finden lässt, "wirklich ein überzeugendes Modell von Toleranz?" - oder spiegelt es bloß, so ließe sich ergänzend fragen, den modernen Glaubensverlust wider? Kann vom christlichen Standpunkt aus überhaupt noch von Toleranz gesprochen werden, wenn nach der Wahrheit der Religion gar nicht mehr gefragt wird, ja die Frage selbst sich erübrigt? Es ist leicht, das Ertragen einer fremden Glaubensüberzeugung zu fordern, wenn man selbst keine solche Überzeugung mehr hat.

Huber spinnt den von Steinacker aufgenommenen Faden fort, indem er das Toleranzproblem aus evangelischer Perspektive theologisch beleuchtet: Aus dieser Sicht muß Toleranz gegenüber fremden Glaubensüberzeugungen in eigener Glaubensgewissheit gründen, um deretwillen der Mitmensch als Nächster geachtet und in seiner abweichenden Glaubensüberzeugung respektiert wird.

"Reformatorisch geprägter Glaube stützt sich dafür auf eine göttlich zugesprochene Anerkennung der menschlichen Person, die unabhängig von ihren Taten und damit auch von ihren Überzeugungen gilt. Denn diese göttliche Anerkennung beruht gerade nicht auf den von Menschen erbrachten Leistungen, sondern auf einer göttlichen Toleranz, die den gottlosen Menschen 'erträgt' und als von Gott geliebtes Geschöpf annimmt."

Damit ist ein starker theologischer Pflock in gut lutherischen Boden geschlagen. Ähnlich, wie der Mensch nach evangelischem Verständnis die Gnade Gottes allein aufgrund seines Glaubens als Geschenk und nicht als Gegenleistung für eine zuvor erbrachte Leistung empfängt (fromme Werke, Ablässe, Sakramente usw., s.S. #), ähnlich erfährt der Mensch die Toleranz Gottes, als Geschenk ohne Vorleistung:

"Denn nach evangelischem Verständnis hat die weltliche Toleranz ihren Ursprung in der Vorstellung von der 'Toleranz Gottes'. Damit ist gemeint, dass Gott den Menschen, der sich in seiner Gottlosigkeit von ihm abgewandt hat, gleichwohl 'erträgt', ihn also nicht seiner Gottlosigkeit überlässt. Da es niemanden gibt, der von dieser göttlichen Toleranz ausgeschlossen wäre, kennt der christliche Glaube einen genuinen Zugang zur Toleranz, der darin gründet, dass jeder Mensch – unabhängig von seinen subjektiven Voraussetzungen, also auch von den Voraussetzungen seines persönlichen Bekenntnisses – im Wirkungsbereich der göttlichen Liebe lebt."

Damit ist unsere weltliche Toleranz (nach evangelischem Verständnis) auf unsere eigene Glaubensgewissheit angewiesen [#]. Ein wichtiger Aspekt der Toleranz Gottes ist, daß sie die Freiheit des Christenmenschen überhaupt erst ermöglicht, die unweigerlich zu schuldhafter Verstrickung, daraus resultierendem Leiden und generell Irrtum führt, welcher der Grundgegenstand von Toleranz ist. Der gekreuzigte Sohn Gottes, der sein Leben hingibt für die Sünden der Welt ist so das fleischgewordene Symbol der göttlichen Toleranz.

Bischof Huber weist noch auf die Folgen des christlichen Toleranzverständnisses hin für die Art und Weise, in welcher der Dialog mit dem Islam zu praktizieren wäre (Religionsfreiheit und Toleranz, a.a.O.): Wenn Toleranz nämlich auf die eigene Glaubens- und damit Wahrheitsgewissheit angewiesen ist, "dann kann sie sich gerade nicht in einer Suspendierung der Wahrheitsfrage Ausdruck verschaffen, sondern sie muss sich auch im Streit um die Wahrheit bewähren." Sonst hätten wir es nicht mit Toleranz, sondern Gleich-Gültigkeit zu tun. Eine der wichtigsten Folgen ist dann, daß Religion eben gerade nicht auf Moralität reduziert werden kann, "vielmehr muss gerade im Verhältnis zwischen den Religionen die Gottesfrage in ihrer konstitutiven Bedeutung zur Sprache kommen." In diesem Sinne auch Joseph Ratzinger: "Wir würden Christentum in Moralismus auflösen, wenn nicht eine Botschaft sichtbar würde, die über unser eigenes Tun hinausgeht."

Bevor wir die Frage erörtern, wie auf der Grundlage des vorher Gesagten ein sinnvoller Dialog praktisch aussehen müßte, sei noch ein Blick auf die katholische Seite geworfen, die über lange Jahre nicht weniger blauäugig mit dem Islam umgegangen ist.

 
FORTSETZUNG: Die katholische Perspektive

 

 


© Stefan Etzel 2006



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